Ein nie widerrufener Bund – Nostra aetate, Vortragsabend 2015

Der lange Weg vom Lateranum IV zum Vatikanum II 1215 – 1965 – 2015

Montag, 9. November 2015 – 16:30 Uhr
Pontificia Università Lateranense
Piazza San Giovanni in Laterano, 4 · Roma · Aula Pio XI

Über die Veranstaltung

Was bedeutet es, dass die Überzeugung des Apostels Paulus vom „nie gekündigten Bund“ auch von den vergangenen Päpsten wiederholt unterstrichen wurde? Vor genau 800 Jahren fand das 4. Laterankonzil statt – wie blicken wir heute auf die damals beschlossenen, folgenreichen antijüdischen Maßnahmen? Haben wir schon die Tragweite der Veränderungen seit dem 2. Vatikanischen Konzil mit seiner Erklärung Nostra aetate erfasst?

Diese Fragen und Herausforderungen standen im Hintergrund der Konferenz zum „Nie gekündigten Bund“, durchgeführt vom Lehrstuhl für die Theologie des Volkes Gottes am 9. November 2015 an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom. Eine starke Ermutigung war ein Brief vom 3. November, mit dem Papst Franziskus mitteilen ließ: „In Freude über diese Initiative, welche die gegenseitige Kenntnis und Freundschaft zwischen Juden und Christen fördern möchte, wünscht [Papst Franziskus] den erhofften Erfolgt für dieses akademische Ereignis und erteilt allen Teilnehmenden den erbetenen Apostolischen Segen.“

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Den Hauptvortrag hielt der ehemalige Botschafter des Staates Israel beim Vatikan, Mordechay Lewy. Seine Darlegung der Entwicklungslinien vom 4. Laterankonzil zum 2. Vatikanum fasste er in dem Satz zusammen: „Ohne Nostra aetate wäre ein Dialog mit den Juden unvorstellbar.“ Prof. Michael Maier von der Päpstlichen Universität Gregoriana stellte die Brücke von den historischen Entwicklungen zu den biblischen Propheten her. Seine Ausführungen endeten im Blick auf die erneuerten jüdisch-christlichen Beziehungen darin, dass das Judentum „für die Christen nicht mehr eine andere Religion ist, sondern die Grundlage und ewige Mitte der gemeinsamen Zugehörigkeit zum Volk Gottes.“ Abschließend legte Prof. Achim Buckenmaier, der Direktor des Lehrstuhls, einige theologische Beobachtungen vor, allen voran einen Abschnitt aus dem Katechismus der Katholischen Kirche. Unter der Nummer 528 sagt der Katechismus zu den Heiligen Drei Königen: „Ihr Kommen bedeutet, dass die Heiden nur dann Jesus entdecken und ihn als Sohn Gottes und Heil der Welt anbeten können, wenn sie sich an die Juden wenden. “Damit treten sie stellvertretend für alle Heiden „in die Familie der Patriarchen ein und werden zur ‚Würde Israels‘ erhoben.“

Unter den zahlreichen Zuhörern des Abends waren auch Renzo Gattegna, der Präsident der jüdischen Gemeinden Italiens, Annette Schavan, die deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Bischof Barthélemy Adoukonou, der Sekretär des päpstlichen Kulturrats, und viele Gäste und Studenten der verschiedenen römischen Universitäten. Stellvertretend für den Rektor der Lateran – Universität begrüßte Prorektor Prof. Renzo Gerardi die Teilnehmer. Der Studentenchor der Universität umrahmte die Veranstaltung musikalisch.

Der Wunsch des Papstes auf dieses Ereignis hin ist zweifellos in Erfüllung gegangen. Nach dem anschließenden Abendessen verlieh die deutsche Botschafterin – stellvertretend für die vielen Teilnehmer – ihrem herzlich empfundenen Dank Ausdruck, gerade an diesem für Deutschland so besonderen Datum – dem Jahrestag der „Reichskristall – “, bzw. „Reichspogromnacht“ – diesen Abend miterlebt haben zu dürfen: Juden und Christen suchen im gemeinsamen Lernen aus der oft so schmerzhaften Geschichte nach Wegen, das neue Miteinander fruchtbar werden zu lassen.

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