„Hör auf die Stimme Saras!“ – Studientage 2014

(Gen 21,12)

Die Rolle der Frau – Biblische Perspektiven – Reflexion jüdischer und christlicher Erfahrungen – Aktuelle Fragen

Internationale Studientage des Lehrstuhls für die Theologie des Volkes Gottes;
29. September - 2. Oktober 2014

Schon eine Tradition sind die Studientage, die der Lehrstuhl für die Theologie des Volkes Gottes an der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom abhält.

Das Thema diesmal: Die Rolle der Frau – Biblische Perspektiven – Reflexionen über die Erfahrungen im Judentum und Christentum – Heutige Probleme. Angeregt wurde dieses Thema nicht zuletzt durch eine Aussage von Papst Franziskus in einem Interview (Juni 2014, Il Messagero): „Die Frauen sind das Schönste, was Gott gemacht hat. Die Kirche ist Frau. Kirche ist ein weibliches Wort. Man kann ohne diese Weiblichkeit keine Theologie betreiben. … Ich bin einverstanden damit, dass man mehr an der Theologie der Frau arbeiten muss.“

Etwa 35 Personen aus verschiedenen Ländern setzten sich über 4 Tage in 12 Vorträgen und Gesprächsrunden mit der Thematik auseinander. Die Referenten, katholische und jüdische, Frauen und Männer, kamen vom Lehrstuhl selbst, aus Israel, der Schweiz und Deutschland.

In seinem Eröffnungsreferat ging der Direktor des Lehrstuhls, Prof. Achim Buckenmaier, vom Begriff der „Ökologie des Menschen“ aus, den der emeritierte Papst Benedikt XVI. bei seiner Rede im Deutschen Bundestag im Jahr 2011 geprägt hatte. Der Papst betonte damals, dass auch der Mensch eine Natur habe, die nicht nach Belieben manipuliert werden dürfe, wenn das Leben gelingen soll. Es ging in den Referaten nicht nur um den Blick auf die historische Situation, die Entwicklung der Rolle der Frau in der Kirche von den Anfängen in den frühen Gemeinden bis zur Staats- und Volkskirche, sondern auch um die neuen, von der säkularen Gesellschaft in die Kirche eindringenden Vorstellungen von Feminismus, Gender-Theorie und einem Verständnis von Gleichberechtigung, das alle Unterschiede einebnet. Von Frauen in der Bibel war die Rede, ausgeführt u. a. an der Gestalt der Ester.

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Es war interessant wahrzunehmen, wie die talmudische Deutung im Judentum (Prof. George Y. Kohler) sich schwerpunktmäßig unterscheidet von der Interpretation (Prof. Michael P. Maier), die auf der griechischen Septuaginta fußt, die in die hebräische Gestalt der Erzählung Einschübe gemacht hat, um den Focus der Geschichte auf den Kampf um den Glauben an den einzigen Gott zu legen. Prof. Noa Sophie Kohlers Referate widmeten sich einerseits den biblischen und talmudischen Grundlagen zur Rolle der Frau in der jüdischen Orthodoxie, andererseits sehr interessanten Strömungen der jüngsten Zeit, die sich im Rahmen der Halacha für die Emanzipation der Frau einsetzen.

Im Verlauf der Tage kristallisierten sich auch allmählich Argumentationslinien heraus, die eine einleuchtende Antwort auf die Frage sein können, warum die katholische Kirche daran festhält, dass nur Männer zu Priestern geweiht werden. Ausführlich und tiefgehend waren die Überlegungen von Prof. Ludwig Weimer zu Maria als dem „weiblichen Teil der Heilsgeschichte“. Abseits von allen Fragen nach Formen der Marienfrömmigkeit stellte er klar, dass sie durch ihren Glauben zur Mitarbeiterin Gottes wurde. Das ist mehr als bloße „Schwesterlichkeit“, auf die ihr unbedingtes Glaubens – Ja des öfteren reduziert wird, wenn man sie z. B. zu einer Art Vorkämpferin der Frauenemanzipation umfunktioniert.

Beispiel-Erzählungen zur Rolle der Frau einerseits in israelischen Kibbuzim (einer jüdischen Form gemeinschaftlichen Lebens), andererseits in der Katholischen Integrierten Gemeinde in Deutschland gaben Einblick in praktische Konsequenzen aus der Erkenntnis, dass es gemäß dem Schöpfungsbericht nicht Zufall ist, dass die Hilfe, die Gott dem Menschen machte, nicht einfach nochmals dasselbe war, sondern ein anders gearteter Mensch, eben eine Frau. Der Unterschied ist Teil des Planes Gottes für die Welt, über den sich Judentum und Kirche nicht hinwegsetzen dürfen, wenn sie an der Bibel festhalten wollen.

Was Kirche ist, nämlich die geisterfüllte Versammlung der Apostel mit Maria im Zentrum, zeigte abschließend ein theologischer Streifzug durch Darstellungen des Pfingstereignisses von 586 bis in die Mitte des 19. Jh.

(Bruno Alber)

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