Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 43

A. Sein Leben verlieren und die Freiheit der Kinder Gottes – ein Widerspruch?(von Tamás Czopf)B. Wie findet Gott Menschen, die seinen Willen tun – der Sonntag von der Freiheit der Nachfolge(von Konrad Wierzejewski) (Die Texte beziehen sich auf die biblischen Lesungen am 13. Sonntag im Jahreskreis C: 1. Buch der Könige 19,16-21 gekürzt; Galaterbrief 5,1 […]

A. Sein Leben verlieren und die Freiheit der Kinder Gottes – ein Widerspruch?
(von Tamás Czopf)
B. Wie findet Gott Menschen, die seinen Willen tun – der Sonntag von der Freiheit der Nachfolge
(von Konrad Wierzejewski)

(Die Texte beziehen sich auf die biblischen Lesungen am 13. Sonntag im Jahreskreis C: 1. Buch der Könige 19,16-21 gekürzt; Galaterbrief 5,1 und 13-18; Lukasevangelium 9,51-62.)

A. Sein Leben verlieren und die Freiheit der Kinder Gottes – ein Widerspruch?

Der heutige Sonntag gewährt uns Einblick in ein Thema, das besonders passend ist, wenn junge Leute unter uns sitzen, die sich auf die Firmung vorbereiten. Die christliche Volljährigkeit – wie die Firmung auch genannt wird, bedeutet auch, eingeweiht zu werden in die „Freiheit der Kinder Gottes“. Freiheit ist das kostbarste Gut, weil sie zu allen anderen Gütern den Weg öffnet. Aber was Freiheit, insbesondere die christliche Freiheit, bedeutet, liegt nicht auf der Hand.

Das Ja zur Berufung

Der Kirche wird nicht erst heutzutage nachgesagt, dass sie eine Großmeisterin der Unfreiheit, der Einschränkung, des Verzichts und der Enge sei; sie erscheint vielen als die größte Spielverderberin. Diesen Eindruck könnten auch die Forderungen Jesu verstärken. Sie klingen hart: Familie und alles verlassen, das Kreuz auf sich nehmen, kein Zuhause haben – ist das nicht geradezu das Gegenteil von Freiheit?

Das ist die Frage und das Thema des Sonntags: Die Berufung des Menschen im Spannungsfeld der Freiheit und die Freiheit in der Spannung zur Berufung des Jüngers.
Ich möchte mit der These beginnen: Wahre menschliche Freiheit bedeutet im biblischen Sinn, in der Lage sein, auf Gottes Ruf Ja zu sagen.

Diese Freiheit der Kinder Gottes hat zwei Dimensionen: Zum einen ist sie ein Befreitwerden von allem, was einen besetzt und belegt; zum anderen, frei und bereit werden für den Weg Gottes. Daraus ergeben sich zwei Fragen:
1. Was hindert und besetzt uns, wovon wir befreit werden sollen?
2. Und was ist der Weg Gottes, zu dem wir frei werden sollen?
Versuchen wir diese zwei Fragen ausgehend von den Texten des Sonntags zu beantworten.

1. Was hindert uns in unserer Freiheit?

Die Texte reden nicht von Unterdrückung und Verfolgung. Die äußerliche Freiheitsberaubung schien Jesus und den Jüngern – vor allem dann nach Pfingsten – nicht allzu viel auszumachen. Paulus saß öfter im Gefängnis und konnte seine Freiheit trotzdem bewahren…

Er spricht im Galaterbrief davon, dass uns das Gesetz des „Fleisches“ am meisten zu schaffen macht. Das ist eine der am meisten un- oder missverstandenen Aussagen im Neuen Testament. Zur Zeit des Paulus gab es im Mittelmeerraum Denkrichtungen, die den Menschen zweigeteilt haben: in einen dunklen leiblichen und einen hellen geistigen/geistlichen Teil. Aus einer solchen Einstellung konnte die Ignorierung oder gar Verachtung des Körpers (insbesondere auch der Sexualität) entstehen. Paulus gehört aber nicht zu den Anhängern dieser Denkrichtungen! Wenn er zwischen Fleisch und Geist unterscheidet, redet er in beiden Fällen vom ganzen Menschen, der sein Leben von zwei verschiedenen und z.T. gegensätzlichen Prinzipien oder Schwerpunkten bestimmen lassen kann.
Nach dem Fleisch zu leben, heißt, ganz in der biologisch-kreatürlichen, säugetier-ähnlichen Ausrichtung sein Leben führen. Die primären Bedürfnisse für sich zu sichern, das zu tun, was einem gefällt und wohltut. All das muss nicht moralisch schlecht sein, aber es ist zu wenig und greift zu kurz. Dahingegen geistlich, vom Geist bestimmt sein, bedeutet, sich zur höheren Berufung erheben lassen und sie in gegenseitiger Achtung und in der Sorge füreinander zu erfüllen.

Auch ein Jünger Jesu hat Hunger, sexuelles Verlangen, Verlangen nach Eigentum, nach Sicherheit usf. – das wird bleiben und ist in Ordnung. Aber das ist nicht alles, was das Leben bestimmt.
Der Mensch ist so geschaffen, dass nur der Geist, der mit dem Geist Gottes in Verbindung getreten ist, ihm ein erfülltes und seliges Leben ermöglicht.

Diese Beobachtung des Paulus, dass ein materialistischer, biologischer Humanismus die volle Freiheit verkürzt und verhindert, unsere vollständige Würde zu erreichen, ist eine allgemein menschliche Tatsache.
Jesus geht in den geschilderten Nachfolge-Situationen weiter. Sein Problem ist nicht ein allgemein menschliches; er sucht Mitstreiter für die Sache Gottes heute; Menschen, die frei sind, mit ihm die Wege zu gehen, die lange schon verheißen waren, aber jetzt neu aktuell werden. Er merkt, dass die meisten Menschen – vielleicht ganz verständlicherweise – von den natürlichen Bindungen so sehr belegt sind, dass sie für seinen unbekannten und fremden Weg, für den Sprung ins Ungewisse nicht frei sind. Diese Leute sind weder böse noch egoistisch. Aber Jesus braucht wenigstens einige, die die Freiheit besitzen, Sicherheiten und Pläne, manche üblichen Konventionen aufzugeben und sich dem Neuen auszuliefern, das Gott gerade jetzt unter uns schafft.

Aber warum ruft Jesus sie weg? Ist er damit nicht der größte Spielverderber?

2. Wir müssen die zweite Frage anschauen: Wohin führt der Weg Jesu, wohin ruft er die Weggefährten?

Jesus verkündet nicht einen universal philosophischen, allgemein humanen spirituellen Weg, sondern hat eine sehr konkrete Route vor sich: Er bricht nach Jerusalem auf. Jerusalem ist zum einen die Mitte des jüdischen Lebens und Glaubens, der geographische Höhepunkt des Landes. Zugleich ist Jerusalem aber der Ort der Verurteilung und des Leidens Jesu. Dennoch ist der Weg Jesu am Kreuz nicht zu Ende. Lukas formuliert es sehr präzise: „Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen.“ „Hinweggenommen werden“ ist der Ausdruck für die Himmelfahrt Jesu. Der Weg führt also letztlich zum Vater, die Nähe des Vaters ist das Ziel, das Kreuz ist eine Zwischenstation.
Auch wenn es sonderbar klingt: Dieser Weg über das Kreuz ist ein Weg der Befreiung; Befreiung von Bindungen, die einen besetzen und niederziehen, Befreiung aus der Enge eines durchgeplanten Lebens ins Ungewisse.

Am Kreuz, das Gott für die Jünger Jesu vorgesehen hat, fließt selten Blut. Es stirbt aber dort etliches ab, was vielleicht wertvoll, aber hinderlich ist, und es öffnet sich eine Weite, die vielleicht zunächst bedrohlich erscheint, aber dann tiefes Glück schenkt – verbunden mit der Gemeinschaft jener, die es wagen, diesen Weg mitzugehen und diese Freiheit anzunehmen.

Unsere These hieß: Wahre Freiheit bedeutet, auf Gottes Ruf Ja zu sagen. Das wird kein Weg des Verwöhnt-Werdens, kein Weg des sich Wohlfühlens, sondern viel mehr: ein Weg, der Himmel und Erde verbindet.

© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

B. Wie findet Gott Menschen, die seinen Willen tun – der Sonntag von der Freiheit der Nachfolge

Gott ist unsichtbar und er hat kein Werkzeug, um in der Welt einzugreifen, außer Menschen, die für ihn tun, was sein Wille ist. Wie kommt er an solche Menschen? Das ist die Frage, die hinter den Texten dieses Sonntags steht.

Elija und Elischa, zwei biblische Beispiele

Da war Elija, dem aufgegangen war, wie Gott denkt über das, was die Menschen tun, und der sie, sogar den König und die amtlichen Priester, deshalb kritisieren musste. Der König hatte ihn daraufhin zur Fahndung ausgeschrieben und wollte ihn umbringen lassen. Ejija war am Ende; er ging in die Wüste und wollte sterben. Da begegnete ihm Gott am Berg Horeb und sagte zu ihm: So schnell kommst du nicht davon. Geh zurück und sorge zuerst für einen Nachfolger.
Und jetzt trifft er den Elischa, einen geeigneten Nachfolger, wie die weitere Geschichte bestätigte. „Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen“, ein reicher Großbauer, der Hoferbe, er pflügte gerade zusammen mit 11 Arbeitern mit Ochsengespannen, er selbst mit dem letzten, um seine Arbeiter im Blick zu haben. Und da wirft Elija seinen Mantel, das Erkennungszeichen des Propheten, über ihn. Das heißt, er übergibt ihm sein Prophetenamt. Elischa begriff sofort, was das bedeutet: seinen Beruf, seinen Hof aufgeben und als Prophet durch das Land ziehen und sich mit dem König anlegen. Aber das kam jetzt doch sehr plötzlich, und er bittet Elija: Lass mich zuerst noch einmal nach Hause gehen und wenigstens ein Abschiedsfest feiern.

Was soll Elija darauf sagen? Es war klar: Wenn Elischa jetzt nach Hause geht, dann wird sich seine ganze Familie versammeln und sagen: „Spinnst du? Den Hof auf­geben und Prophet werden? Überleg dir das noch einmal gut!“
Wie Elija antwortet, „Geh, kehr um! Denn was habe ich dir getan?“, ist uns völlig fremd. Das wird in der alten Übersetzung deutlich, wo der Übersetzer es auch nicht verstanden und dann so übersetzt hat, wie er antworten würde: „Geh, aber komm dann zurück! Bedenke, was ich an dir getan habe.“ Man sieht den erhobenen Zeigefinger. Aber so steht es nicht da. „Geh! Denn was habe ich dir getan?“ Das heißt, geh, du bist ganz frei. Ich habe von dir nichts verlangt. Du brauchst auch nicht wiederkommen und Prophet werden. Du bist zu gar nichts verpflichtet.

Nur in voller Freiheit entspricht eine Antwort dem Ruf

Nur in ganzer Freiheit kann man den Auftrag Gottes übernehmen. Da gibt es keinen moralischen oder sonstigen Druck. Es wird nicht erzählt, was da in Elischa vorgegangen ist, nur das Ergebnis: Er geht nicht mehr nach Hause, um ein Abschiedsfest vorzubereiten; er improvisiert mitten auf dem Feld ein Abschiedsessen mit seinen Arbeitern, schlachtet dazu die Ochsen, mit denen er gepflügt hat, und macht die Jochstangen, mit denen sie den Pflug gezogen haben, zu Brennholz und wird Prophet. Er hat begriffen: Wenn einen ein solcher Ruf trifft, geht es ums Ganze; da kann man nicht halbherzig ja sagen.

Das heutige Evangelium beginnt mit der Szene, wo die Samariter Jesus und seinen Jüngern keine Unterkunft gewähren. Darüber sind zwei seiner Jünger, die temperamentvollen Donnersöhne Jakobus und Johannes, so empört, dass sie mit Feuer vom Himmel diese Dörfer vernichten möchten. Jesus lässt es nicht zu. Er weiß, das Feuer, das die zwei auf diese Separatisten werfen wollen, hat die Trennung herbeigeführt und würde sie nur immer weiter vertiefen, dieses Feuer darf nicht fallen.
Er versteht die Samaritaner, die gegen den Tempel sind und ohne den Tempel Gott anbeten und immer die Juden ärgern, wenn sie durch ihr Gebiet zum Fest, zum Tempel pilgern, und so sucht er einfach ein freundlicheres Dorf auf. Mit Gewalt kann man nichts ändern, das gespaltene Gottesvolk nicht wieder einen. Das war schon das prophetische Wort gegen den König Rehabeam am Anfang, als es gerade zu der Abspaltung des Nordens vom Gesamtgebiet gekommen war. Und auch Jesus aufzunehmen, darf niemand mit Gewalt gezwungen werden. Wer ihm nachfolgen will, muss es, darf es nur in voller Freiheit tun, ohne jeden Zwang. Das war den Jüngern Jesu so fremd wie uns.

Die vom Anruf Gottes ermöglichte Freiheit

Jetzt begegnet Jesus Menschen, die es freiwillig tun: „Meister, ich will dir folgen, wohin immer du gehst.“ Aber „Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben!“ – wie bei Eiischa, nur jetzt zugespitzt: Tote begraben, die toten Eltern begraben ist eine heilige Pflicht nach der Tora; da kann Jesus doch nichts dagegen haben. Das Schlüsselwort ist „zuerst“, wie wenn Kinder ins Bett gehen sollen: „Lass mich zuerst noch dieses Spiel zu Ende spielen, oder diese Sendung am Fernsehen schauen.“ Was ist einem das Wichtigste, das an erster Stelle kommt? Hier sind es familiäre Verpflichtungen, die für den, den Jesus ruft, an erster Stelle stehen. Da hat Jesus eigentlich keine Chance. Und da sagt er, hier ist etwas noch Gewichtigeres als solche Verpflichtungen.

Interessant ist seine Antwort: „Lass die Toten ihre Toten begraben“, etwas zweideutig: Wer sind hier die Toten, die ihre Toten begraben sollen? Sogenannte Verpflichtungen können einen Menschen ungeheuer binden. Ein Mensch, der sich nur davon bestimmen lässt, seine Verpflichtungen zu erfüllen, ist eigentlich wie eine Maschine, die perfekt programmiert ist, die genau das tut, wofür sie programmiert ist. – lebendig? Nein, eine tote Maschine, würden wir sagen.
Und jetzt ruft Jesus einen Menschen da heraus zu einem Auftrag, der alles auf den Kopf stellt, und stellt ihn damit – so wie den Elischa – plötzlich in eine Freiheit, die es sonst nirgends gibt: Er kann jetzt dazu ja oder nein sagen und weder für das eine noch für das andere kann man ihm einen Vorwurf machen, noch wird er dafür bestraft. Er ist ein Lebender geworden, der frei ist, sich zu entscheiden.

Für Paulus ist Liebe der Boden der Freiheit

Jetzt können wir auch die zweite Lesung verstehen, die wie eine Zusammenfassung ist: „Ihr seid zur Freiheit berufen. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch!“ Das letzte bedarf vielleicht noch einer Erklärung. Fleisch, das ist eine Ausdrucksweise der damaligen Zeit; es meint so etwas, was wir nennen würden: unsere natürlichen Bedürfnisse oder das, was bestimmte Humanwissenschaftler als natürliche Bedürfnisse des Menschen definieren.
Ein ganz schlichtes Beispiel: Die Kirche hat einmal als Gebot formuliert, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Das ist auch tatsächlich lebenswichtig für das Leben einer Gemeinde, dass sie sich jede Woche trifft. Früher war das mit einem großen sozialen Druck verbunden. Dass das heute nicht mehr so ist, ist gut. Zwang gibt es bei Gott nicht und darf es auch in der Kirche nicht geben: „Ihr seid zur Freiheit berufen. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch!“ Also: Ich bin frei, in die Kirche zu gehen oder nicht. Und jetzt habe ich das natürliche Bedürfnis auszuschlafen. Dann nehme ich mir die Freiheit, nicht zu gehen. So ist die Freiheit nicht gemeint. „Dient einander in Liebe!“ Wir brauchen doch einander, dass wir uns jede Woche gegenseitig im Glauben stärken und stützen, und dafür ist es auch ganz wichtig, dass wir nicht nur nebeneinander stehen und beten und singen, sondern noch weiter beieinander bleiben und austauschen, wie es dem anderen geht und wer vielleicht ein stärkendes Wort oder eine helfende Tat braucht. „Dient einander in Liebe!“ Wir sollen nicht Geboten dienen; wir sind zur Freiheit berufen. Aber „dient einander in Liebe!“

© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 42

Das Wort vom Kreuz und die Botschaft Jesu Das Wort vom Kreuz, das man täglich auf sich nehmen soll, ist eines der oft zitierten und bekannten Worte aus dem Neuen Testament. Allerdings hat es dabei einen eigenartigen Bedeutungswandel durchgemacht. Es wird oft so verstanden, als sei mit dem Kreuz etwas Schweres gemeint, das einen im […]

Das Wort vom Kreuz und die Botschaft Jesu

Das Wort vom Kreuz, das man täglich auf sich nehmen soll, ist eines der oft zitierten und bekannten Worte aus dem Neuen Testament. Allerdings hat es dabei einen eigenartigen Bedeutungswandel durchgemacht. Es wird oft so verstanden, als sei mit dem Kreuz etwas Schweres gemeint, das einen im Leben trifft, ein Schicksalsschlag, eine Krankheit, oder auch ein Mitmensch, mit dem man sich schwer tut. Es wird als Trostwort Menschen zugesprochen, um ihrem Leiden wenigstens einen Sinn zu geben und das Ertragen zu erleichtern, indem das eigene Leid zur Teilnahme am Leiden Christi wird und dadurch einen Wert erhält. Nur, zur Zeit Jesu gesprochen, konnte es nicht so gemeint sein oder verstanden werden.

Die Ursache des Kreuzeswortes Jesu

Das Kreuz galt als die grausamste und entwürdigendste Hinrichtungsart. Ein Schriftsteller der damaligen Zeit schrieb einmal, das Wort sei so abscheulich, dass man sich als anständiger Bürger scheut, es überhaupt in den Mund zu nehmen. Als Metapher für das alltägliche Leid kann es Jesus also nicht gemeint haben.

Das Kreuz, von dem Jesus spricht, ist etwas anders als ein Schicksalsschlag. Dieses Kreuz hat ihn nicht heimtückisch überfallen, sondern er hat es sehenden Auges, bewusst und in aller Freiheit auf sich genommen. Er hat mitten in dem seit alters her erwählten Volk Menschen zu einer neuen Weise von Gemeinschaft berufen. Sie sollten, angerührt von der Botschaft von der Nähe Gottes, ihre Leben so miteinander verknüpfen, dass Israel zu dem würde, als was es gedacht war: Welt, in der Gottes Wille sichtbar wird, Welt, die unter der Herrschaft Gottes steht. Das ist etwas, was die Welt nicht will, und sie wehrt sich dagegen mit aller Kraft, mit dem Kreuz.

Die „Welt“, das waren die Heiden, die an ihren alten Göttern festhalten wollten, in denen sich ununterscheidbar Weltliches und Göttliches vermischte, und die sich von den Christen und ihren Unterscheidungen herausgefordert sahen. Das waren die Strenggläubigen im Gottesvolk, die einen Zaun um den Glauben gebaut hatten und nicht duldeten, dass einer diesen Zaun niederriss und die Gesetze noch einmal neu nach ihrem Sinn von Gott her befragte.

Selbst die Jünger Jesu wollen das Neue meistens nicht, denn es hieße, die eigenen Lebenskonstruktionen aufgeben, sein Leben zur Verfügung stellen, den eigenen Ehrgeiz, den tief eingewurzelten Stolz, das Vertrauen auf die eigene Leistung verabschieden und sich hineinnehmen lassen in eine ganz andere Geschichte, in der man sich selbst verliert, aber gerade so alles findet. Aus all dem, aus dem verbissenen Festhalten an den eigenen Lebensplänen, aus den Aggressionen der angeblich Frommen im Gottesvolk und aus der Feindschaft der Heiden entsteht der erbitterte Widerstand, den, wer Jesus nachfolgt, auf sich zieht, das Kreuz. Es ist kein Schicksal, sondern Konsequenz des Evangeliums.

Das Wort vom Kreuz in den frühen Gemeinden

Wie es dann für den einzelnen Christen zu unterschiedlichen Zeiten aussieht, kann ganz verschieden sein, aber immer ist es ganz konkret, weil ja auch die Sache Gottes in der Welt ganz konkret ist. Die Apostelgeschichte erzählt von vielen verschiedenen Menschen, die alle den Widerstand gegen die Sache Gottes zu spüren bekamen, der meistens – auch das erzählt die Apostelgeschichte – den Weg über Verleumdungen und üble Nachreden nimmt. Es waren alles Menschen mit ihren Schwächen und Fehlern, Menschen, die ihr Leben bewältigen mussten. Aber in einem zentralen Punkt hat sich ihr Leben vollkommen verändert. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr ihre eigenen Lebenspläne, sondern dass Gott in ihrem Miteinander wohnen will.

Dabei kommt es dann zu einer eigentümlichen Erfahrung, die Paulus in der heutigen Lesung aus dem Galaterbrief so formuliert: Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, also die, die zum Volk der Verheißung gehörten, und die Heiden, die nicht dazugehörten, es gibt nicht mehr Sklaven und Freie, den denkbar größten Gegensatz in der Gesellschaft, von denen, die das Sagen haben, und denen, die von den anderen unterdrückt werden. Es gibt nicht einmal mehr den Unterschied von Mann und Frau. Dabei meint Paulus nicht das biologische Geschlecht, sondern eher das, was man heute als „Gender“ bezeichnet, was Diskriminierung zur Folge hat, ein ganz aktuelles Thema. Die Diskriminierung der Geschlechter ist überwunden, sagt Paulus, indem „ihr in Christus alle einer seid“.

Die Kraft der Verwandlung auch heute

Die moderne Gendertheorie geht ja aus von der These, dass anderes – wie die Erziehung in eine Geschlechterrolle sowie kulturell bedingte Sichtweisen auf das biologische Geschlecht – den Menschen mehr bestimmt als das biologische Geschlecht. Über diese Aussage geht Paulus weit hinaus, wenn er sagt: Die Hinwendung zum Christentum bestimmt ab dann den Menschen viel mehr als das biologische Geschlecht und sogar mehr als jede Erziehung zu einer geschlechts- oder standesspezifischen Rolle. So hat es Paulus in seinen Gemeinden erfahren. Für uns ist es eine gewaltige Herausforderung: Ist das bei uns wirklich so, oder ist für uns das Christentum nur noch Verzierung eines Lebens nach den Maßstäben der normalen Gesellschaft mit ihrem Geschlechterkampf? Das ist nicht mit sprachlichen Tricks zu beantworten.

Die ersten Generationen der Christen sahen die ärgsten Gegensätze unter den Menschen in ihren Gemeinden überwunden als Wunder von Ostern und Pfingsten. Das erregt damals wie heute Anstoß und Widerspruch, wenn plötzlich von Haus aus einander wildfremde Menschen sich einig werden, einig denken und handeln, und dies nicht auf Sympathie, Eros, gemeinsamer Blutsbande, einem Nationalgefühl basiert. Wenn es dennoch dieses Eins-Sein gibt, dann ist da offensichtlich noch eine andere Kraft im Spiel, über die wir nicht verfügen können; wir nennen sie Heiliger Geist. Nur dieser Geist Gottes kann Menschen wirklich auf Dauer einen; das zeigt die Erfahrung der Geschichte. Aber da wird auch der Widerspruch geweckt, weil der Mensch alles selbst können möchte, selber sein eigener Herr sein möchte, und hier offenbar die Hand Gottes am Werk ist und einen Frieden, ein gegenseitiges Verstehen schafft, das nicht von dieser Welt ist.

Allein diesem Wunder verdankt sich die Kirche. Es ist ihr bleibender Auftrag, der jetzt auf uns gekommen ist, es zu jeder Zeit neu geschehen zu lassen. Der Preis dafür ist immer noch der gleiche: Es kostet das Leben, aber auch die Verheißung ist die gleiche geblieben: Gerade darin, dass wir uns auf Gott und damit auch aufeinander einlassen, gewinnen wir das Leben.

Aber was sollen wir nun den vom Schicksal Heimgesuchten sagen? Der Trost, den wir ihnen schulden, ist nicht mit einem verharmlosten Wort aus der Bibel zu geben. Was wir ihnen schulden, ist die Wirklichkeit in unserem Leben, die hinter diesem Wort steht, die Wirklichkeit einer Gemeinde, in der sie dann mit ihrem Schicksal mitgetragen werden, eine Hilfe erfahren können, die einer oder zwei gar nicht leisten können, sondern nur eine Gemeinde im Geist Gottes, eine Gemeinde, die auch die Konsequenz des Kreuzes kennt.

Und jetzt feiern wir, dass das keine Utopie mehr ist, sondern dass einer uns vorangegangen ist und den Preis bezahlt hat und uns einlädt, ihm nachzufolgen.

Sacharja 12,10-11.13,1; Galaterbrief 3,26-29; Lukasevangelium 9,18-24;
12. Sonntag im Jahreskreis C
© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 41

Warum ist Fronleichnam ein „Straßenfest“? Das hervorstechendste Merkmal des Fronleichnamsfestes ist die Prozession. Wir gehen auf die Straße. Das ist etwas, was es auch in anderen Zusammenhängen gibt. So ist die Frage angebracht: Wofür gehen wir auf die Straße? Wir haben den Gottesdienst begonnen mit dem Wortgottesdienst, wo wir Texte aus der Heiligen Schrift hören, […]

Warum ist Fronleichnam ein „Straßenfest“?

Das hervorstechendste Merkmal des Fronleichnamsfestes ist die Prozession. Wir gehen auf die Straße. Das ist etwas, was es auch in anderen Zusammenhängen gibt. So ist die Frage angebracht: Wofür gehen wir auf die Straße? Wir haben den Gottesdienst begonnen mit dem Wortgottesdienst, wo wir Texte aus der Heiligen Schrift hören, programmatische Texte für das Fest. Was sagen sie?

Vom Verstehen aus Erzählungen des Alten Testaments

Die erste Lesung spricht davon, dass es um eine Sache geht, die größer ist als unser Dorf, als unsere Pfarrei, größer als die Pfarreiengemeinschaft, größer als die Kirche im Jahr 2022. Da werden wir in eine Zeit vor 3700 Jahren versetzt, in die Nähe von Jerusalem, und hören eine Geschichte, wie dort Abraham, ein Migrant nach heutigen Begriffen, einem einheimischen heidnischen Priester begegnet, der ihn segnet und ihm als Zeichen des Segens Brot und Wein überreicht. Wegen dieser Zeichen wurde die Lesung wohl für das Fronleichnamsfest ausgewählt.

Aber dem geht etwas voraus: Lot, der Neffe Abrahams war in kriegerische Auseinander­setzungen zwischen den Königen der Gegend geraten. Er und seine Familie waren da als Geiseln genommen und nach Damaskus verschleppt worden. Möglicherweise war Lot aus eigener Dummheit in diese Lage gekommen; das wird nicht zum Thema gemacht. Abraham hat ihn da herausgeholt. Er hat mit seinen Kämpfern einen Marsch von fast 500 Kilometern auf sich genommen, um ihn zu befreien – ein Vorgang, wie er uns in diesen Tagen gar nicht so fern ist. Als Abraham da reichlich Beute gemacht hat, so wird erzählt, hat er nichts für sich behalten, nur seine Leute bekamen etwas, und Lot und dessen Familie holte er zurück: das Bild eines gerechten, solidarischen Mannes, der keine Rache übt, der sich nicht von Schadenfreude anstecken lässt, der nicht aufrechnet, der auch nicht bloß betet und hofft, sondern handelt.

Wir sind in eine lange Geschichte hineingestellt

Solche Werte für ein gerechtes Zusammenleben der Menschen, für ein Leben in Frieden, für ein Leben, das nicht in Unversöhnlichkeit und Rechthaberei erstarrt, fallen nicht irgendwie vom Himmel, wurden auch nicht von einer Weltorganisation beschlossen, sondern sie sind vermittelt worden, sind gelernt worden in einer Geschichte, die über unsere Generation weit zurückreicht, in der Geschichte seit Abraham, in der Geschichte des Volkes Israel, in der Geschichte Jesu und der Kirche. Dieses Fest lässt uns daran denken, dass wir in diese lange Geschichte gestellt sind, die uns einen Maßstab an die Hand geben kann, die den Mut hat, konkrete Dinge zu benennen, den Schutz des Schwachen, wie man vernünftig mit den Dingen der Welt umgehen kann, wie wir in Frieden leben können, eine Geschichte, die größer ist als unsere Gegenwart und deren selbstgemachte Maßstäbe.

In Gruppen, jeweils an die Fünfzig

Das zweite Bild dieses Festtages ist das Bild der Menschen, zu denen Jesus sagt, sie sollen sich in Gruppen zu fünfzig ins Gras setzen, als er ihnen das Brot austeilt. Da geht es um eine Bedingung für das Wunder, eine Bedingung, dass Gott handeln kann, auch in der Kirche, in einer Gemeinde. 5000 Männer waren es, wird berichtet, und wir dürfen davon ausgehen, dass da die Frauen nicht mitgezählt wurden, unter den damaligen Umständen zu jedem Mann noch eine Frau und mindestens 5 Kinder, also insgesamt über 30000. Das wäre die Größe einer Großpfarrei in manchen heutigen Diözesen. Wie kann sie leben, wenn die Mittel knapp werden? Wie kann es gehen, dass da die Menschen nicht verhungern? – Eine hochaktuelle Frage.

Eine amorphe Masse von 30 000 wäre keine lebensfähige Pfarrei, auch 5 000 nicht. Ich habe schon öfters davon gesprochen, welche Form von Kirche ich in Tansania vorgefunden habe. Dort ist jede Pfarrei in kleine Gemeinden gegliedert, die jeweils 5-15 Höfe umfassen, also eine Größe, in der man sich und die realen Nöte des Nächsten noch kennen kann, mit jeweils einem Leitungsteam von 5 Personen, denen die Verantwortung für die Gemeinde übertragen ist. So kann die Kirche leben. So konnte auch auch ich dort verantwortet meinen Dienst tun. „Sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.“ – Keine symbolische Zahl sondern reale, praktikable Gemeindegrößen, wie Lukas sie schon vor Augen hatte, als er das Evangelium aufschrieb, und zu denen auch wir wieder kommen müssen, wenn bei uns die Kirche am Leben bleiben soll.

Die Orientierung, mitten in der Welt, an Gott und seinem Willen

Und das dritte Bild, das wir heute sehen: Wir tragen in der Prozession den im Brot des Altares gegenwärtigen Herrn mit uns und verehren ihn öffentlich. Die Mitte ist Jesus Christus, der Herr der Kirche, und die Hingabe seines Lebens; davon sprach die zweite Lesung. „Wofür gehen wir auf die Straße?“ habe ich am Anfang gefragt. Die Kirche hat so viele Schrammen, ja Skandale in ihrer Geschichte bis heute, sie macht Fehler, ist zerstritten, und auch wir machen Dinge falsch, übersehen sie oder wissen nicht, wie es gehen soll, heute Kirche zu sein. Das wären alles Gründe, dass man sagen könnte, und nicht wenige ziehen ja diese Konsequenz: Lassen wir das mit diesem triumphalen Aufzug und bleiben daheim. Das wäre verständlich. Aber in der Mitte ist eben nicht, dass wir so großartig sind oder fehlerlos, sondern dass Jesus Christus der Herr der ganzen Sache ist, ohne den die Kirche schon längst auseinandergefallen wäre.

Strukturen sind nur der Rahmen, der mit Leben erfüllt werden kann oder auch nicht. Beides habe ich erlebt. Jesus sagt nicht einfach, sie sollen sich in Gruppen zusammensetzen – und dort ihre mitgebrachten Brote auspacken, sie miteinander teilen, sondern „Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.“ Der Aufblick zum Himmel steht für eine weitere Voraussetzung des Wunders: ohne die Orientierung an Gott und seinem Willen, jede Woche neu, gäbe es nur Zersplitterung, Nichtverstehen, Eifersucht, Verfolgen eigener Interessen jeder Gemeinde, jedes einzelnen. Jesus ist der, der den Blick auf Gott richtet, und er hat diese Ausrichtung beglaubigt, indem er nicht nach seinem Wohlbefinden gefragt, sondern sein Leben hingegeben hat.

Heute gehen wir auf die Straße, aber nicht mit Parolen, sondern mit einem Stück Brot, Realität des Lebens. Und doch ist es nicht nur ein Stück Brot, was wir mittragen. In diesem Brot ist der unsichtbare Herr gegenwärtig – Realität des Lebens, in der der Herr gegenwärtig ist. Bitten wir um die Gegenwart des Herrn in der Realität unseres Lebens.

Genesis 14,18-20; 1. Korintherbrief 11,23-26; Lukasevangelium 9,11-17
Fronleichnam, Lesejahr C
© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Walleshausen

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 40

A. Die Geschichte als Boden jüdischer und christlicher FesteGedanken zum Fest der Dreifaltigkeit Gottes(von Konrad Wierzejewski)B. Das Kommen des Geistes – Gottes „Für uns“ erreicht die Welt(von Tamás Czopf) A. Die Geschichte als Boden jüdischer und christlicher FesteGedanken zum Fest der Dreifaltigkeit Gottes „Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit“, ein eigenartiges Fest. Sonst ist das Wesen der […]

A. Die Geschichte als Boden jüdischer und christlicher Feste
Gedanken zum Fest der Dreifaltigkeit Gottes

(von Konrad Wierzejewski)
B. Das Kommen des Geistes – Gottes „Für uns“ erreicht die Welt
(von Tamás Czopf)

A. Die Geschichte als Boden jüdischer und christlicher Feste
Gedanken zum Fest der Dreifaltigkeit Gottes

„Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit“, ein eigenartiges Fest. Sonst ist das Wesen der Feste Israels und ebenso der Kirche immer das Gedenken konkreter Ereignisse in der Geschichte mit Gott. Und jetzt, nachdem die Reihe dieser Feste mit dem Pfingstfest zum Abschluss gekommen ist, da spricht man von Ideenfesten. Hat die Kirche da – aus Verlegenheit? – aufgegeben, was ihre Feste ausmachte? Aber auch jetzt sind es nicht einfach zeitlose Ideen, auch da gibt es immer eine konkrete Geschichte, die dahintersteht.

Das Dreifaltigkeitsfest als Korrektur falscher Götter

Das Dreifaltigkeitsfest wurde im 14. Jahrhundert von Papst Johannes XXII. eingeführt. Nachdem die germanischen Völker missioniert worden waren, erschien eine Korrektur oder Präzisierung der Gottesvorstellungen notwendig. Ihre Vorstellungswelt war stark von Stammesstrukturen und ihren Hierarchien mit einem „oben“ und „unten“, von Befehl und Unterordnung geprägt. Zu allen Zeiten haben sich dann die Völker ihre Götter und Gottesvorstellungen nach dem gemacht, was in ihrem Lebensumfeld vorkommt, Mächte unserer Welt, die den Menschen faszinieren, denen er sich unterwirft und die er zu seinen Göttern erhebt. Zum Beispiel die Verlockung, andere zu beherrschen: So wird die Macht zu etwas Göttlichem erhoben, und der Mensch gibt ihr Namen wie Zeus oder Jupiter oder Donar, und indem er Zeus verehrt, verehrt er die Herrschermacht und sucht daran Anteil zu bekommen, selber über andere zu herrschen.

Oder er erfährt stets von neuem die Verlockung der Sexualität und macht sie und den Eros zu etwas Göttlichem, einem letzten Ziel, dem er sich unterwirft und das er anbetet, und gibt dieser Verlockung Namen wie Aphrodite oder Venus, und indem er die Göttin der Liebe verehrt, isoliert er die Sexualität aus ihrem Schöpfungszusammenhang, um ihr hemmungslos zu dienen – bis heute ganz aktuell. So macht der Mensch alle großen und faszinierenden Wirklichkeiten der Welt zu seinen Göttern, gibt sich ihnen und vielen anderen Mächten hin und lässt sich von ihnen bestimmen.

Israel hatte die revolutionäre Entdeckung gemacht, dass das, was die Völker als Götter verehren, gar keine Götter sind, sondern eben nur Kräfte der Natur, und dass es einen Gott gibt, der alles geschaffen hat und darübersteht. Das war keine theoretische Erkenntnis, sondern bedeutet in der Konsequenz eine ungeheure Freiheit im Umgang mit der Welt.

Die Korrektur der Vorstellung eines fernen Gottes

Dann gab es die Vorstellung von dem ganz anderen, fernen Gott, der aus unendlicher Distanz über die Welt herrscht. Auch diese Vorstellung wurde von Israel korrigiert, wieder nicht theoretisch. Da war die Erfahrung Israels von dem einen Gott, der sein Volk aus Ägypten geholt hatte, der mit ihm durch die Wüste gezogen war, der es führte, der es rettete, der die Schuld vergab, der seinem Volk nahe war. Er war kein abwesender, kein abweisender, kein ferner Gott. Er war ein naher, rettender Gott, ein Gott, „der da ist“, der gar nicht für sich allein da sein kann.

Das kommt in der ersten Lesung aus dem Buch der Sprichwörter zum Ausdruck, wo von der „Weisheit“ als Person an der Seite Gottes die Rede ist, als weibliche Gestalt, nicht als Berater oder wie eine Art Aufsichtsrat, sondern, „Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit“, heißt es – interessante Gedanken auch für die aktuelle Frage nach der Stellung, nach der Würde der Frau in der Kirche: Wenn die Kirche Gott widerspiegeln soll, muss da also noch ein ganz anderes Element eingebracht werden, nicht noch einmal eine Kopie der Männer in ihrem Streben nach Ämtern, nach Macht – so wie es notwendig war, den Heiligen Geist gleichsam als eine eigene Gestalt, eine spezielle Seite am Wesen Gottes zu erkennen.

Die andere Sicht Gottes – durch den Sohn und den Geist

Wer ist Jesus? Als er kam, bemerkten alle erstaunt: „er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat“, der weiß, wovon er spricht, „nicht wie die Schriftgelehrten“. Er hat so vollkommen das realisiert, was der Wille Gottes ist, wie es nur der Sohn kann. Gleichzeitig lässt auch das wieder staunen, denn das Normale, was wir vom Verhältnis zwischen Vater und Sohn kennen, wäre der Konflikt der Generationen. Aber hier der Sohn in vollkommener Willenseinheit mit dem Vater, ein großes Wunder!

Noch erstaunlicher war dann die Erfahrung der ersten Gemeinden, dass nach dem Tod Jesu und nach Pfingsten dieser gleiche Geist sich in ihren Versammlungen einstellte, und sie konnten nicht anders als bekennen, dass es Gott selbst ist, der dieses Wunder bewirkt, sein Heiliger Geist, der zwischen dem Vater und dem Sohn ist und der jetzt auch auf die Jünger, auf die Gemeinden herabgekommen ist.

Im Evangelium dieses Lesejahres C wird er als „Geist der Wahrheit“ charakterisiert, etwas, das ganz quer steht zu dem postmodernen Gefühl „alles ist gleich gültig“. Was „Geist der Wahrheit“ konkret bedeutet im Kontrast zu dem Geist der Welt, lässt sich an vier Punkten aufzeigen, wie sie die Jünger Jesu nach Pfingsten erfahren haben:

  • Da war das Urteil der religiösen Autoritäten: Jesus war ein Gotteslästerer; Missbrauch geistlicher Macht wäre der Vorwurf gegen ihn in heutiger Sprache. Die Jünger Jesu bekamen an Pfingsten die Klarheit und Kraft, dem öffentlich zu widersprechen: „Er ist in Wahrheit der Messias.“
  • Seine Gegner waren überzeugt: Er ist tot; die Sache ist damit erledigt; seine Anhänger werden sich zerstreuen. Die Antwort darauf ließ sich nicht mit Worten geben; sie bestand darin, dass seine Jünger sich in Wirklichkeit neu sammelten und ihn so als lebendig bezeugten.
  • Eine „wohlmeinende“ Öffentlichkeit hätte ihnen eine gewisse Tragik zugestanden: „Sie haben es ja nur gut gemeint, aber sie waren Betrogene“, oder „allein Pilatus war schuld am Tod Jesu.“ Nach Pfingsten taten sie, was menschlich nicht zu erwarten war: Sie verkündeten öffentlich, was die Wahrheit war, und schrieben es in den Evangelien im Detail auf: „Wir waren mitschuldig. Wir haben ihn im Stich gelassen. Petrus hat ihn dreimal verleugnet“: der Geist der Wahrheit, ganz anders als der Geist der Welt reagieren würde.
  • Die öffentliche Meinung bis heute würde daraufhin urteilen: Wer sich so schuldig gemacht hat, ist moralisch vernichtet, in der Öffentlichkeit nicht mehr tragbar, kann sich nur noch in sein Privatleben zurückziehen. Die Jünger Jesu erfuhren den Auferstandenen als den, der ihnen die Schuld vergibt und sie neu in Dienst nimmt.

Diese Erfahrung ließ Paulus dann zugespitzt formulieren, was die Wahrheit ist – gar nicht als Kritik am Gesetz Israels: „Durch Werke des Gesetzes wird niemand gerecht werden. … Gott erweist seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden.“ Nicht unsere moralische Integrität legitimiert uns, sondern die Kirche lebt davon, dass jedem von uns siebenmal siebzigmal vergeben wurde. Wie sehr könnte der Geist dieser Wahrheit das Antlitz unserer Welt verwandeln!

Gott will Teilhaber an seinem Tun

In der Präfation des heutigen Festes „beten wir an im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes die Sonderheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die gleiche Fülle in der Herrlichkeit“. Wir nehmen die Eigenart der göttlichen Personen wahr, die Verschiedenheit der Seiten Gottes, wie er sie uns in den verschiedenen Zeiten der Heilsgeschichte offenbarte, und staunen dabei über ihre Einheit im Wesentlichen, die immer gleiche Handschrift des einen Gottes.

Zum Wesen Gottes gehört es, dass er nicht bei sich bleibt, dass er seine Geschöpfe, seine Kirche teilhaben lässt an seinem Leben. So gehört auch da, in der Kirche, die Eigenheit der Personen dazu und die Einheit in dem, was uns verbindet, dem gemeinsamen Auftrag von Gott her, und die gleiche Fülle an Herrlichkeit für jeden von uns, hierhergerufen zu sein mit so verschiedenen Menschen, von denen jeder hundert Eigenarten und Sonderheiten, manchmal auch Unarten hat, dass wir uns miteinander verbinden dürfen in einem immer neu ermöglichten Frieden und so gewürdigt sind, am Werk und am Leben Gottes teilzuhaben: Einheit in der Sonderheit und gleiche Fülle an Herrlichkeit.

Sprüche 8,22-31; Römerbrief 5,1-5: Johannesevangelium 16,12-15;
Dreifaltigkeitssonntag Lesejahr C
© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

B. Das Kommen des Geistes – Gottes „Für uns“ erreicht die Welt

Das heutige Fest, die Oktav von Pfingsten hat in der römischen Kirche eine tiefe Bedeutung. Das wird verständlich, wenn man bedenkt, dass in der Ostkirche die Dreifaltigkeit gleich am Pfingstmontag gefeiert wird, und auf den Sonntag darauf, also auf die Oktav das Allerheiligenfest gelegt wurde.
Die Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen ist die Frucht von Ostern und Pfingsten. Die erlöste Gemeinschaft ist das Ziel der Erlösung, die wir an diesen Festen feiern. Die Kirche ist nämlich in ihrer Vollendung – wie wir sehen werden – ein Widerschein der
Dreifaltigkeit. So beleuchten sich diese Feste gegenseitig.

Dreifaltigkeit spricht vom WIR Gottes

Es ist leicht, sich in den oft komplizierten Formulierungen über die Dreifaltigkeit zu verlaufen oder gleich einen großen Bogen um sie herum zu machen. Wenn man die Bibel und die Liturgie genauer daraufhin anschaut, merkt man, dass man das aufwändige und umfangreiche Bemühen der Theologie zur Dreifaltigkeit  auf einen äußerst kurzen Begriff bringen kann, der aber überraschend tief ins Geheimnis des heutigen Festes vorstößt. Und das ist das Wörtchen „FÜR“.
Alle drei – wir nennen sie „Personen“, aber da denken wir gleich, so etwas wie du und ich – vielleicht wäre es für den Anfang für uns besser zu sagen „alle drei Auffälligkeiten im Blick auf Gott“ – alle drei also : Gott-Vater, Gott–Sohn, Gott-Heiliger Geist sind für die anderen da.
Das ist ihr Wesen: Der Vater bleibt nicht bei sich selbst, sondern spricht sich umfassend in jenem Wort aus, das wir Sohn nennen, der sich wiederum unablässig vom Vater empfängt und sich als Antwort ihm zurückschenkt. Dieses gegenseitige „Füreinander“ ist so wesentlich, dass es eine eigene Größe bildet, den Geist, der nichts anderes ist als diese sich schenkende, empfangende und wieder zurückschenkende Beziehung, kurz: Liebe nach Gottes Art.
Das ist sozusagen das „Innenleben“ der Dreifaltigkeit, die uns nicht sehr viel angehen würde, hätte sich diese Beziehung nicht nach außen gewendet. Dieses FÜR, das in Gott herrscht, fließt nämlich über und verlängert sich in einem „Außenbereich“, den Gott extra herstellen muss, um ihn und damit auch uns einbeziehen zu können.

Das „FÜR“ Gottes wendet sich auch uns zu

Es beginnt mit der Schöpfung, die aus der göttlichen Innen-Perspektive völlig überflüssig ist. Sie ist weder zwingend noch logisch, aus unserer Sicht nicht einmal unbedingt lohnend. Aber die Existenz Gottes als „Für“ – die sog. „Proexistenz“ – macht die Entstehung der Welt nach der inneren Logik der Liebe und des Sich-verschenkens doch berechtigt und nachvollziehbar.
Jedenfalls entschließt sich Gott zur Schöpfung und lässt die Materie entstehen und Form annehmen. Dabei wirkt seine Weisheit mit, Gottes Wort, das beim Werk des Vaters, ähnlich wie auch der Geist, anwesend ist und beginnt, dieses „Für“ in die Welt einzuprogrammieren: Die Formen entwickeln sich und werden differenzierter, bis der harte Kampf ums Überleben durchaus auf Kosten anderer den Menschen hervor-bringt. Er ist das Geschöpf, das unter den Existenzformen auch die „Proexistenz“ als Möglichkeit in sich trägt und Gottes Wesen erkennen und erwidern kann. So entsteht die Welt als Ausfluss und Überfluss der Liebe Gottes, ein neues Ziel zum Sorge-Tragen, zum FÜR.

Der Höhepunkt: Der vollkommen gottfähig gewordene Menschensohn

Der Höhepunkt der Welt ist nicht die unberührte Natur, die vom Menschen bedroht ist, sondern das geglückte Sozialwesen Mensch, der seine Berufung – Gott in seiner Proexistenz ähnlich zu sein – wahrnimmt und verwirklicht. Das läuft zum Teil als Kulturgeschichte ähnlich wie die allmähliche Evolution der Natur, z.T. ist es aber eine freie und von Einbrüchen gelenkte bewusste Geschichte, die in der Bibel Erlösung und Rettung genannt und an Israel festgemacht wird.
An deren Höhepunkt erscheint Jesus, der Mensch gewordene Gottessohn, oder andersherum: der vollkommen gottfähig gewordene Menschensohn, dessen Wesen es ist, „sein Leben hinzugeben für seine Freunde“. Er tut und sagt, was er vom Vater hat, wie er im Johannesevangelium bekennt. Gott sendet sein Wort, denn das Wesen des Wortes ist es, ausgesprochen zu werden. Der Sohn verlässt das Vaterhaus nicht wie der „verlorene Sohn“, um sein Glück zu suchen, sondern er geht anstelle des Vaters, wie es im Psalm heißt: „Siehe, ich komme. […] Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern.“ (Ps 40,8-9)
Dass er vom Vater kommt und wieder zum Vater geht, sind räumliche Veranschaulichungen dessen, dass Jesus ganz vom Vater her und für ihn existiert, der Seinsweise FÜR. Sich ganz hinzugeben und darin ganz er selber zu sein; sich zu verlieren und darin sich zu finden, das sind allesamt trinitarische Abdrücke im Menschen und unter den Menschen. Wenn das geschieht, und damit es geschieht, ist der eigentliche Träger dieses Für, der Hl. Geist, beteiligt.

Im selben Geist: Das FÜR des Vaters für den Sohn, das FÜR des Sohnes für den Vater und beider für die Welt – und unser Wir für Gott und seine Wollen für die Welt

Der Geist ist das „Dazwischen“, das Vater und Sohn miteinander in der Weise der Hingabe füreinander verbindet. Und das große Wunder, das tiefe Geheimnis der Schöpfung ist, dass dieses Dazwischen auch auf den Menschen ausgeweitet wird. Der Geist nistet sich ein auch zwischen Mensch und Gott und zwischen Mensch und Mensch. Und er möchte auch seinen Platz finden im Verhältnis des Menschen zur Schöpfung.
Auch der Geist will nichts Eigenes, er ist das pure FÜR, reine heilende, helfende Relation. Als solche ist er stark und zart, erschreckend und tröstend, aufrüttelnd und beruhigend zugleich; starkes Tosen und leiser Hauch.
Das heutige Fest feiert dieses Geheimnis, dass Gott in seinem vollkommenen Füreinander sich aufgemacht und unserer Welt zugewandt hat. Der Gott der Bibel setzt sich vollberuflich für sein Volk und für jeden Einzelnen darin ein, um uns nach seinem Bild zu formen, entsprechend dem Füreinander, das keine eigenen Verluste befürchtet, das nicht um sich besorgt ist und nichts für sich ergattern will.

Man darf nicht unsicher werden, wenn man merkt, dass hinter diesen großen Worten meistens kleine alltägliche Dinge stecken, in denen wir das Füreinander praktisch leben und erfahren dürfen. Gerade darin können wir die Handschrift der Trinität erkennen, damit sie nicht als eine abgehobene fremde Welt erscheint, sondern das Nächste und Vertrauteste, was es gibt.

Sprüche 8,22-31; Römerbrief 5,1-5; Johannesevangelium 16,12-15;
Dreifaltigkeitssonntag, Lesejahr C
© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 39

Zu den liturgischen Texten von Pfingsten Die Vigil: Die pfingstliche Vision der Erweckung der Totengebeine bei Ezechiel Diese Vision des Propheten Ezechiel von der Auferweckung der Totengebeine findet man oft dargestellt auf barocken Grabmälern. Aber dort führt die Darstellung eher weg von dem, was gemeint war. Ezechiel hat ja nicht auf einem Friedhof zu den […]

Zu den liturgischen Texten von Pfingsten

Die Vigil: Die pfingstliche Vision der Erweckung der Totengebeine bei Ezechiel

Diese Vision des Propheten Ezechiel von der Auferweckung der Totengebeine findet man oft dargestellt auf barocken Grabmälern. Aber dort führt die Darstellung eher weg von dem, was gemeint war. Ezechiel hat ja nicht auf einem Friedhof zu den dort Begrabenen gesprochen, sondern es ist eine Vision, und dann folgt die Deutung: „Diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Jetzt sagt Israel: ‚Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren.‘ Deshalb tritt als Prophet auf und sag zu ihnen: ‚So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel.‘“ Das Gottesvolk ist tot und soll auferstehen.

„Tod“ in den Augen Gottes

Wieso ist es tot? Wie kann man so etwas sagen? Die Situation klang schon an: „Ich bringe euch zurück in das Land Israel.“ Das Volk war in Babylon im Exil. Das war nicht einfach ein Schicksal, das von außen über es gekommen war. Die Propheten haben es gedeutet: Das Gottesvolk hatte nicht mehr nach der Sozialordnung vom Sinai gelebt, die seine Stärke gegenüber den anderen Völkern ausmachen sollte, sondern hatte sich in seiner Lebensweise den Nachbarvölkern und ihren Großkulturen angepasst und versucht, durch politische Bündnisse mit ihnen zu überleben. Es war seinem Auftrag nicht mehr nachgekommen, die andere Lebensweise nach der Weisung Gottes zu zeigen, die andere, die Völker, die nächste Generation anzieht, ihnen Orientierung geben würde. Wozu war es dann überhaupt noch da?

Wenn jeder nur noch nach seinen Vorstellungen und Stimmungen lebt, sein Leben, die Planung seines Sonntags ganz nach seinen Bedürfnissen, seinen Freizeitplänen ausrichtet, dann sind da nur noch beziehungslos herumliegende tote Gebeine. Dann ist die Gemeinde tot, gemessen an ihrem Auftrag, obwohl alle vielleicht noch ganz lebendig da herumlaufen. Tod in der Sprache der Bibel, beginnt nicht mit dem Herzstillstand, sondern früher. Der Tod beginnt mit dem Abgeschnitten Sein von der Lebensordnung, den Weisungen Gottes und den Folgen, die wir jeden Tag zu sehen und in der Zeitung zu lesen bekommen: Unfriede aller Art, Unfähigkeit zur Liebe, Isolation, Freudlosigkeit, Ver­zweiflung bis hin zu Terror, Amokläufen. „Es ist keine Gemeinschaft mehr da; bei mir ist die Luft raus“, sagte mir hier eine Jugendliche. „Die Luft ist raus“ – Atemstillstand: Da ist die Gemeinde tot.

Der Geist und das prophetische Wort

In die Situation hinein ist das prophetische Wort gesprochen: „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. … Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig.“ Wie kann das gehen, dass das Gottesvolk, eine Gemeinde wieder zum Leben kommt? Müsste sich jeder viel mehr engagieren? Ezechiel wird gefragt: „Können diese Gebeine wieder lebendig werden?“ Darauf sagt er nicht: „Ja, wenn sie sich anstrengen“. So ein Unsinn, das sieht jeder. Er sagt auch nicht: „Kein Problem, das machen wir schon“ und setzt selber die Knochen wieder zusammen, auch das kann niemand. Er sagt: „Herr und Gott, das weißt nur du.“ Dann bekommt er den Auftrag: „Rede als Prophet zum Geist: So spricht Gott, der Herr: Geist, komm herbei von den vier Winden! Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden.“ Es braucht dazu den Geist Gottes und jemanden, der das prophetische Wort spricht.

Die Bedeutung der Nennung von Knochen und Sehnen

Voraussetzung ist, das kommt in der Vision sehr genau zum Ausdruck, dass die Knochen zuerst einmal zusammenrücken, also Nähe, reales Zusammenleben derer, die zu einer Gemeinde gesammelt sind. Dann werden Sehnen eigens erwähnt. Es reicht nicht, dass die Knochen zusammenrücken. Es reicht nicht, nur nahe beieinander zu wohnen. Es braucht auch so etwas wie die Sehnen, die die Knochen zusammenhalten, eine Kraftübertragung ermöglichen. Gibt es das in ausreichendem Maße unter uns? Ich kann es nur einmal als Frage stellen, als die Frage nach den Voraussetzungen, dass der Heilige Geist wirken kann. Der Heilige Geist ist dann der Atem, das Leben zwischen uns, das bewirkt, dass einander fremde Menschen zu einer Gemeinde werden, zum Leib des auferstandenen Christus, und dass aus einer Zusammenkunft von Menschen eine Gemeindeversammlung wird. Diese Erfahrung können wir machen: Es können sich Christen voller gutem Willen versammeln, „aber es war noch kein Geist in ihnen“, jedenfalls nicht der Heilige Geist, kein Verstehen auf die Sache Christi hin.

„Wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen“, drückt Paulus die Erfahrung aus, verbunden mit der Zusage: „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. … Er tritt so, wie Gott es will, für uns ein.“ Das durfte ich schon oft genug erfahren.

Gedanken am Pfingstsonntag

Wirke, was du am Anfang der Kirche begonnen hast. – Was war/ist die Voraussetzung?

„Erfülle die Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was Deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute durch die Herzen aller, die an dich glauben“, lässt uns die Kirche im Tagesgebet des Pfingstsonntags beten. Wie kann das möglich werden auch im Jahr 2022?

Eine entscheidende Voraussetzung für das Kommen des Heiligen Geistes ist, da sind sich all die sonst so unterschiedlichen Berichte in der Apostelgeschichte und in den Evangelien einig, dass alle am gleichen Ort versammelt waren. In den letzten beiden Jahren waren wir durch die Infektionsschutzmaßnahmen gerade daran weitgehend gehindert, und so war da die Frage, wie wir mit der Situation umgehen. Und jetzt, wo wir wieder zusammenkommen können? Am Beginn der Pandemie wurde von den Bischöfen in Deutschland eine Dispens vom Sonntagsgebot verkündet. Bei uns in der Pfarreiengemeinschaft wurde dies nie bekannt gemacht, vermutlich aus der Vorstellung heraus, dass sich um das Sonntagsgebot sowieso kaum noch jemand kümmert. Der heilige Ignatius von Antiochien, ein Kirchenvater der ersten Generation nach den Aposteln, hatte noch geschrieben, dass jeder, der nicht zur Versammlung der Gemeinde kommt, sich dem Widersacher ausliefert. Er wusste um die Wichtigkeit des Zusammenkommens, und nach den erzwungenen Kontaktbeschränkungen können wir das neu ahnen. Wenn sich alle zerstreuen, nicht mehr zusammenkommen, kann auch der Heilige Geist nicht wirken, kein Verstehen, keine Gemeinde schaffen.

Damit ist nicht eine Enge gemeint. Es wird ja oft als Errungenschaft der Pfarreiengemeinschaft gepriesen, dass sie die Möglichkeit bietet, einmal an diesem, einmal an jenem Ort zur Messe zu gehen, wo zu der Zeit, die einem passt, gerade eine Messe ist. Aber wenn dann ich mit meiner Wochenendplanung der feste Pol bin, um den sich alles dreht, dann ist das sicher nicht mehr dieses „am gleichen Ort bleiben“.

Klöster nach dem Bild der Apostel – an einem Ort versammelt

Heute wäre auch das Fest des heiligen Bonifatius, das in diesem Jahr vom Pfingstfest verdrängt wird. Aber die Erinnerung an ihn kann uns da einen guten Hinweis geben. Er gilt als der, der das Christentum in weite Teile Germaniens gebracht habe. In Wirklichkeit war er nicht der erste; vor ihm waren schon iro-schottische Mönche da, asketische Einzelgänger, die keinen nachhaltigen Erfolg hatten. Vielerorts verkümmerte das Christentum wieder. Christlicher Glaube und heidnische Gebräuche blühten nebeneinander. Priester feierten die hl. Messe und opferten daneben den germanischen Göttern. Bonifatius versuchte einen Neuanfang, indem er die Benediktiner zu Hilfe holte und auf ihre Klöster als Zentren der Mission setzte.
Benedikt hatte seinen Orden in der Völkerwanderungszeit gegründet und seine Mönche verpflichtet, nicht herumzuziehen, sondern sich ihr ganzes Leben an ein Kloster zu binden. Das war für die Völkerwanderungszeit, die der unseren gar nicht so unähnlich ist, das Erfolgsrezept. Die Mission des Bonifatius bestand nun nicht darin, dass alle die Regel Benedikts übernehmen und in die Klöster gehen mussten. Aber ohne solche Zentren, ohne Menschen, die an einem Ort beieinander bleiben, hätte seine Mission genau so wenig Erfolg gehabt wie die seiner Vorgänger, hätte der Heilige Geist in unserem Land keine Chance gehabt, hat er auch heute keine Chance.

Auch die vielen Festpilger, von denen die Apostelgeschichte berichtet, waren nicht zufällig dieses Jahr in Jerusalem, das Jahr zuvor vielleicht in Athen, ein andermal vielleicht in Rom, sondern Jerusalem war der Sammelpunkt, der Mittelpunkt ihres Lebens, auch wenn sie ganz woanders wohnten. Und dann war da die Gruppe der Apostel, die die ganze Zeit dort beieinander blieben. Da konnte der Heilige Geist landen, und dann konnten die vielen Festpilger etwas sehen und waren plötzlich mit hineingenommen in ein Verstehen, das bis dahin unvorstellbar schien.

Plötzlich kam es, sagt Lukas. Das heißt: Unerwartet und unerwartbar, nicht gemacht, nicht geplant. Aber es kam nur an den Ort des Miteinanderseins. Das ist also das, was wir tun können, nicht abzulassen voneinander, etwas ungemein Schlichtes, ohne charismatischen Überschwang. Nur – es braucht einen solchen Punkt, wo alle an einem Ort versammelt sind, das Fest, wo man sich auf dem Boden der Geschichte Gottes mit seinem Volk versammelt und ihm Gelegenheit gibt, durch seinen Geist neu zu handeln.

Der Glaube der Gemeinde, der Kirche, aus dem Sehen der Wunden

Wirklich zusammenzukommen hat noch eine Voraussetzung, die der Auferstandene im heutigen Evangelium schafft: Bevor er sagt, „Empfangt den Heiligen Geist!“ zeigt er seine Wunden, von denen seine Jünger wussten, dass sie sie mit verschuldet hatten, und sagt zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Und auch Petrus spricht in seiner Pfingstpredigt von der großen Wunde, dass die Erwählten zugelassen, ja betrieben haben, dass der Messias umgebracht wurde. Dann heißt es: „Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz.“ Das können wir auch heute erleben: Wenn eine Wunde ange­sprochen wird, eine Wunde in der Gemeinde, dann trifft es Menschen ins Herz, das kann nicht anders sein.

Aber was dann folgte, wovon die Apostelgeschichte berichtet, war ein Wunder. Die fast normale Reaktion bis heute ist – auch davon berichten die Evangelien: „‘Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?‘ … Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück.“ Aber einmal ging es, so haben wir heute gehört, anders weiter: „Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?“ Dass sie so reagierten, war ein großes Wunder – ein einmaliges Wunder? Oder kann es noch einmal geschehen? „Erfülle die Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was Deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute“, ließ uns die Kirche beten.

„Petrus antwortete ihnen: ‚Kehrt um! Dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.’“ Und dann wird beschrieben, was daraus wurde: „Alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. … Tag für Tag brachen sie in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude.“ Die Umkehr ist keine traurige Buße, sondern eine Wiedergutmachung, die darin besteht, sich zu sammeln im Jubel über das, was Gott getan hat, wie er das Versagen, die Schuld überliebt hat. Die Jünger Jesu „freuten sich, dass sie den Herrn sahen“, mit seinen verklärten Wunden.
Und dann „hielten sie miteinander Mahl in Freude“. Das dürfen auch wir jetzt.

Pfingsttheologie aus den Gottesdiensten zur Vigil und am Sonntag:
die zugrundeliegenden Texte: Ezechiel 37,1-14; Römerbrief 8,22-27; Apostelgeschichte 2,1-11; Johannesevangelium 20,19-23
© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 38

Pfingstliche Einleitung zum Gottesdienst Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hat den Anstoß für die Gebetsform der Novene gegeben: das sind neun Tage, an denen die Jünger zusammen mit Maria im Gebet versammelt sind, um den verheißenen Beistand zu erbitten. Die Jünger konnten nicht wissen, was Pfingsten bringen wird, wie ihre Mission beginnen und verlaufen, […]

Pfingstliche Einleitung zum Gottesdienst

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hat den Anstoß für die Gebetsform der Novene gegeben: das sind neun Tage, an denen die Jünger zusammen mit Maria im Gebet versammelt sind, um den verheißenen Beistand zu erbitten. Die Jünger konnten nicht wissen, was Pfingsten bringen wird, wie ihre Mission beginnen und verlaufen, ankommen und sich entwickeln würde.
Heute sind wir in einer Lage, die ähnlich ungewiss und offen ist. Und wir können auch nur in der „Einheit des Hl. Geistes“ – wie es in der liturgischen Eröffnung zu Beginn geheißen hat – die nächste Wegstrecke finden und gemeinsam gehen.
Diese Einheit ist auch der Herzenswunsch Jesu, die Hauptbitte vor Pfingsten. In diese Bitte wollen wir mit diesem Gottesdienst einstimmen und Gott um seinen Beistand bitten.

Das Fest des Kommens und Hierseins Jesu

Wie groß ist die Entfernung zwischen Himmel und Erde?

Die Texte am Ende der Osterzeit schildern eine sehr intensive Verbindung zwischen Himmel und Erde. Kaum ist Jesus in den Himmel aufgefahren, schon wird von seinem Kommen geredet. Die zweite Lesung aus der Offenbarung des Johannes zitiert die letzten Zeilen des Neuen Testamens überhaupt: „Der Geist und die Braut sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme! Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Komm, Herr Jesus!“
Man könnte denken, Christus ist gerade dagewesen – müssten wir nicht erst einmal all das aufarbeiten, was er uns hinterlassen hat, vier Evangelien sind voll davon…? Aber unsere Vorfahren im Glauben halten für entscheidend wichtig, Jesu Kommen herbeizusehnen und zu beschleunigen. Gleichzeitig verspricht Jesus bei seiner Himmelfahrt nach der Überlieferung des Matthäus: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Er ist also offensichtlich gar nicht so richtig weg.

Der große Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux hat diese Fragen nach dem Kommen, Gehen und Bleiben Jesu rund tausend Jahre nach der Himmelfahrt auf den Punkt gebracht. Seinen Text hat Papst Benedikt in seinen Jesusbüchern in Erinnerung gerufen. Bernhard spricht von einem dreifachen Kommen Jesu: „Eine dreifache Ankunft des Herrn kennen wir. … In der ersten Ankunft kam er im Fleisch und in der Schwachheit. In dieser mittleren kommt er in Geist und Kraft, in der letzten in Herrlichkeit und Majestät.“ (Jesus von Nazareth II, 315-317). Am spannendsten ist freilich das „mittlere Kommen“, denn das geschieht in unserer Gegenwart. Aber schauen wir alle drei Formen kurz an:

Das erste, das zweite, das dritte Kommen des Herrn

1. Das erste Kommen Gottes vollzieht sich „im Fleisch und in der Schwachheit“ – sagt Bernhard. Mit diesem Kommen beginnt das Neue Testament, wenn Matthäus den Stammbaum Jesu aufzählt. Letztlich umfasst dieses Kommen aber die gesamte Zeit der Geschichte, insbesondere die Zeit seit Abraham. Denn bei Abraham beginnt Gott, den Erdboden zu berühren, bis es ihm gelingt, in Maria vollständig „gelandet“ zu sein. Die Offenbarungsgeschichte Israels ist der Weg und die Weise des ersten Kommens. Dieses Kommen geschah in Schwachheit und Verborgenheit. Trotz aller Kraft der Lehre der Tora und der Propheten und trotz der Stärke der Taten Jesu war und blieb der Logos, das Wort Gottes, nie zwingend überzeugend und Jesu Leben endete am Kreuz. Aber diese Ankunft des Herrn war in der Schwachheit nicht fehlgeschlagen, sondern voll geglückt. Alle weiteren Ankünfte sind nämlich Folge des geglückten ersten Kommens. Dieses Glücken beschreiben die Schriften des Neuen Testaments dann etwa bei der Himmelfahrt Jesu so: Nun setzte sich Jesus „zur Rechten Gottes“. (Mk 16,19)

2. Das endgültige Kommen des Herrn wird „in Herrlichkeit und Majestät“ geschehen. Dieses Kommen nennt die Theologie „zweites Kommen“ oder Parusie, welche wir für das Ende der Zeit erwarten. Weder das Wann noch die Art und Weise dieses Kommens sind uns bekannt, und es bleibt Spekulation und Phantasie. Das endgültige Erscheinen Jesu in Gottes Herrlichkeit gehört zur inneren Logik des Evangeliums und das verheißende Faktum ist entscheidend, um jene spezifische Hoffnung zu ermöglichen, die unserer Gegenwart einen Glanz verleiht.

Sein Kommen in der Geschichte der Kirche

3. Aber kommen wir zu dem, was Bernhard v. Clairvaux „adventus medius“, das mittlere Kommen des Herrn nennt. Er spricht vom „Herrn“, nicht von Christus, und zwar ausgehend vom Johannesevangelium, wo Jesus auch das Kommen des Vaters und des Geistes verspricht (Joh 14,23). Dieses mittlere Kommen Gottes in unsere Welt geschieht „in Geist und Kraft“. Es ist wichtig zu bemerken, dass die Kraft jetzt schon dazugehört, nicht bloß am Ende. Dies ist auch das, was Jesus bei Matthäus den Jüngern versichert „ich bin bei euch bis an das Ende der Welt“ (Mt 28,20) oder was Johannes mit „Bleiben“ umschreibt.
a. Dieses Kommen oder Bleiben geschieht zum einen durch die Vergegenwärtigung des ersten Kommens in den Sakramenten und im Wort der Schrift.
b. Aber es hat auch noch andere Formen, wie Joseph Ratzinger ausführt: z.B. durch Worte und Ereignisse in meinem Leben, nicht bloß in den schönen und angenehmen, die sich durch die vertrauensvolle gläubige Deutung als Ankunft des Herrn offenbaren. Auch die Verfolgung und Steinigung, wie im Falle von Stephanus, kann die Augen und das Herz für Gottes Kommen und den offenen Himmel öffnen.
c. Aber Papst Benedikt fährt noch weiter fort und spricht von „epochalen Weisen“ dieses Kommens. Dazu zählt er die großen Gestalten im 13. Jh., Franziskus und Dominikus, aus dem 16. Jh. Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola. Genauso gab und gibt es auch in unserer Zeit Gestalten, durch die Christus neu in die Geschichte hereintritt; Menschen, die, durch den Geist Gottes geformt, das Antlitz der Erde nach dem ewigen Plan Gottes erneuern, wie eine hl. Mutter Teresa oder der hl. Papst Johannes Paul II. Der emeritierte Papst ermuntert uns, darum zu bitten, dass Gott „uns auch heute wieder neue Zeugen seiner Gegenwart schenke, in denen er selber kommt“. Wenn wir also rufen: „komm, Herr Jesus“ – oder „komm Heiliger Geist“ – dann rufen wir auch nach solchen Personen, die durchlässig sind für Gottes Kraft und Geist. Sie müssen nicht Kleriker oder Ordensleute sein, aber wenn es um das „epochale“ Kommen Gottes geht, dann sind es Personen, die Menschen sammeln, Wahrheit formulieren, die Schwachen stärken und die Fragen der Zeit beantworten können.
d. Und dieses „mittlere Kommen des Herrn“ in Kraft und Geist möchte neben den epochalen Weisen auch eine jährliche, wöchentliche und tägliche Weise pflegen und zeigen.
Das Buch der Offenbarung verwendet mehrere Bilder dafür, wie von uns her das Zusammentreffen mit dem nahenden Herrn erfahren werden kann: ‚Selig, wer sein Gewand wäscht‘, ‚Anteil haben am Baum des Lebens‘, ‚durch die Tore in die Stadt eintreten‘. Das sind die biblischen Koordinaten für ein Leben zwischen Taufe und Bestattung auf dieser Erde, die aber zugleich die Koordinaten für das unverlierbare Leben sind.
So möchten wir wie eine Braut Gott ansprechen: „Komm!“ und zugleich uns angesprochen fühlen: „Wer durstig ist, der komme!“

Apostelgeschichte 7,55-60; Offenbarung des Johannes 22, 12-20 (gekürzt); Johannesevangelium 17,20-26;
7. Sonntag der Osterzeit C
© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg