Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 20

Der kreative Umgang mit biblischen Texten Die gläubige Tradition ist mit Weihnachten immer kreativ umgegangen. So kamen Ochs und Esel zur Krippe und so wurden aus den nicht näher bezeichneten und nicht quantifizierten Magiern aus dem Morgenland – drei Könige aus drei Kontinenten und drei Generationen. Und diese drei landeten nach ihrem Besuch in Israel […]

Der kreative Umgang mit biblischen Texten

Die gläubige Tradition ist mit Weihnachten immer kreativ umgegangen. So kamen Ochs und Esel zur Krippe und so wurden aus den nicht näher bezeichneten und nicht quantifizierten Magiern aus dem Morgenland – drei Könige aus drei Kontinenten und drei Generationen. Und diese drei landeten nach ihrem Besuch in Israel nicht bloß wieder in ihrer orientalischen Heimat, sondern auf der linken Rheinseite in Köln. Diese Entwicklung war aber nicht nur Produkt einer lebhaften Fantasie, sondern entstammt der Lektüre der Bibel und des Psalmengebetes. Das wollen wir heute etwas näher anschauen.

Ochs und Esel sind im ersten Kapitel beim Propheten Jesaja zu finden: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ Die zwei Last- und Arbeitstiere wurden also zur Krippe gestellt, um in ihnen sich selbst zu sehen, weil man seinen Herrn erkennen wollte. Später betrachtete man den Ochsen als Bild für Israel und den Esel als Bild für die Völker – damit letztlich doch alle dabei sind, bereit, sich in den richtigen Dienst nehmen zu lassen, sobald das Kind, der Herr, sie braucht.

Deutung aus den Psalmen

Aber wie ist es mit den heiligen drei Königen? Wir haben die Originalerzählung gehört, wo weder von heilig noch von drei noch von Königen die Rede ist. Dort seht lediglich: „Es kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem.“ Weder weist etwas darauf hin, dass sie vornehme Leute waren, noch, dass sie zu dritt gewesen sind. Allerdings bringen sie drei Geschenke. Aber man las den Psalm 72. Ein Psalm König Davids an seinem Sohn König Salomo. Darin wird dem König gewünscht: „In seinen Tagen sprosse der Gerechte und Fülle des Friedens… Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.“ Die Weisen haben einen Stern gesehen, der auf einen neuen, besonderen König der Juden hinweist, das kann doch nur dieser König aus Psalm 72 sein.
Und wenn sie aufbrechen, um zum königlichen Kind zu kommen, kann es nichts anderes heißen als das, was die nächsten Zeilen des Psalms beschreiben: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Geschenken nahen die Könige von Scheba und Saba. Alle Könige werfen sich vor ihm nieder.“ Jetzt haben wir sie, die Könige, und es werden drei Orte aufgezählt: Tarschisch, Scheba und Saba – und sie fallen nieder und huldigen dem Kind. Und wenn es noch heißt: dass „ihn alle Völker seligpreisen werden“ und „die ganze Erde sei erfüllt von seiner Herrlichkeit,“ dann liegt es nahe, dass diese Könige die ganze Erde repräsentieren, also die drei damals bekannten Kontinente: Asien, Afrika und Europa.

Deutung nach Jesaja

Aber nicht nur dieser Psalm hat unsere Vorfahren inspiriert, sondern auch nochmals Jesaja: Im Kapitel 60 – wir haben es als Lesung gehört – steht: „Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der Herr auf… Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz… der Reichtum der Nationen kommt zu dir. Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Dromedare aus Midian und Efa. Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie…“ – Schon wieder: Könige, Geschenke, Wandern zum Licht – bloß die Myrrhe hat Jesaja vergessen. Damit tauchen sogar die Kamele an der Krippe völlig zurecht auf.
Dieses bunt gewordene Bild behält aber weiterhin die ursprüngliche Bedeutung: Das Kommen der Heiden nach Jerusalem und Betlehem ist zugleich Ziel und Anfang. Denn darin spiegelt sich der Aufbruch Abrahams, der aus seiner Religion aufbricht, um einem neuen Ruf zu folgen, um sein Reich zu finden. Aber – wie Papst Benedikt im dritten Jesusbuch betont – die heidnischen Weisen gehen auch im Gefolge des Sokrates, der mit seinen unaufhörlichen Fragen die Wahrheit ohne Kompromisse sucht, das Licht, das ungetrübt und unverfälscht ist, und der sein Leben und Sterben daraufhin ausrichtet. 1

Die andere Macht Gottes

Das Kommen der Weisen zur Krippe ist aber auch ein Anfang. Sie stehen für den Aufbruch der Menschheit auf Christus hin – wie Papst Benedikt formuliert, und weiter: „Sie stehen für die innere Erwartung des menschlichen Geistes, für die Bewegung der Religionen und der menschlichen Vernunft auf Christus hin.“ (Prolog 105f). Religionen und Vernunft werden vom jüdischen Messias zum Ziel geführt. Aber in der Gestalt der Könige steckt auch noch ein weiterer wichtiger Hinweis; die das Jesuskind anbetenden Könige sind keine Ausrutscher eines mittelalterlichen Wunschtraums. Denn in Betlehem wird auch die Frage der Macht in ein neues Licht gehüllt.
Die normale Beschäftigung der Könige ist bekanntlich, Kriege zu führen, Grenzen zu erweitern, Reiche und Reichtümer zu vermehren, um mehr zu beherrschen, mehr zu unterdrücken. Davon konnten auch die späteren sog. christliche Könige ein Lied singen. Aber mit dem neugeborenen König von Betlehem, der es nicht einmal schafft, Jerusalem zu „erobern“ (er wird geboren und gekreuzigt außerhalb der Stadt), dessen Heer kaum die zwölf Apostel und 72 Jünger übersteigen wird, um dessen letztes Kleid die ihn hinrichtenden Soldaten würfeln werden – er will die andere Art der Macht Gottes auf der Erde etablieren. Eine Herrschaft des Dienstes und der Liebe. Der Glanz, das Licht und die Herrlichkeit des verheißenen Reiches ist kein politischer und militärischer Glanz, sondern die Herrlichkeit Gottes, die sich an seinem Volk widerspiegelt.
Jesaja sagt: „dein Licht kommt zu dir“ – aber dieses Licht, das Israel als sein eigenes besitzt und das die Völker suchen, kommt eben nicht vom Volk, nicht vom Menschen selbst, sondern von Gott her: „über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit er-scheint über dir.“ Es ist wohl ein Licht, das man sieht und erfährt und keine Einbildung, kein bloßer Wunschtraum; aber das Licht kommt nicht aus mir, nicht von der Macht der Begabten und Starken, sondern von dem kleinen und schwachen Kind, in dem Gottes Wort Mensch wurde, und das es allein verdient, dass sich der Mensch niederwirft. Denn die Niederwerfung vor der Krippe ist zugleich die Anerkennung des Kreuzes, das jegliche menschliche Macht hinterfragt.

Jesaja 60,1-6; Epheserbrief 3,2-6 (gekürzt); Matthäus 2,1-12;
Erscheinung des Herrn, Lesejahr C
                © Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg


[1] Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Prolog. Die Kindheitsgeschichten. Freiburg-Basel-Wien 2012, S. 104.

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 19

A. Geburt und Kreuz (von Tamás Czopf)B. Friede, wenn alle Bedrohungen wegfallen? (von Konrad Wierzejewski) (Beide Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen der Christmette im Lesejahr C: Jesaja 9,1-6; Brief an Titus 2,11-14; Lukas 2,1-14) A. Geburt und Kreuz Die Eckpunkte unseres Glaubens werden gebildet durch die Geburt Christi und sein Kreuz und die Auferstehung. […]

A. Geburt und Kreuz (von Tamás Czopf)
B. Friede, wenn alle Bedrohungen wegfallen? (von Konrad Wierzejewski)

(Beide Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen der Christmette im Lesejahr C: Jesaja 9,1-6; Brief an Titus 2,11-14; Lukas 2,1-14)

A. Geburt und Kreuz

Die Eckpunkte unseres Glaubens werden gebildet durch die Geburt Christi und sein Kreuz und die Auferstehung. Auch wenn Weihnachten üblicherweise in der Gesellschaft eine viel buntere Vorbereitung und fröhlichere Stimmung erzeugt als Ostern, seine Symbole: die Krippe und das Kreuz, gehören immer schon zusammen. Man findet Bilder, auf denen das Jesuskind auf einem kleinen Holz-Kreuz wie mit einem Flugzeug vom Himmel herfliegt, oder statt in der Futterkrippe auf dem Holzkreuz liegt und schläft. Zwar gibt es den Engelgesang in der Geburtsnacht und die Engelerscheinung am Ostermorgen, aber sie sind nicht öffentlichkeitswirksam. Sie werden bloß von wenigen Glaubenden gesehen und gehört. Denn Gottes medial darstellbare Geschichte in der Welt ist eine arme, ohne Glanz und Gloria.

Glanz und Gloria sind vielmehr in einem Innenraum erfahrbar, dessen Außengrenzen markiert sind durch Armut, Ablehnung und Erfolglosigkeit. Papst Franziskus spricht immer wieder von der Vision einer „armen Kirche“. Und schon die Propheten mussten immer wieder feststellen, dass das Gottesvolk, um für Gott brauchbar und als Instrument in der Geschichte einsetzbar zu sein, immer nur von einem meist kleinen gläubigen Rest durchgetragen wurde. Dieser „Rest“ hat allerdings für Gott und seinen Rettungsplan stets ausgereicht:
Die anderen, die vielen, konnten an den wenigen gleichsam angehängt, von ihnen mitgenommen werden.
Kreuz und Krippe sind nicht bloß Instrumente eines unerwarteten Messias, sondern sind auch für die Kirche bleibende Zeichen des Ausgegrenzt-Seins in einer Welt, die immer noch auf den Messias wartet, ihn sich aber oft ganz anders vorstellt und wünscht.

Über die Zukunft der Kirche

1969 hielt der damals noch junge Josef Ratzinger (der aber schon seit 10 Jahren Professor war) einen Radiovortrag über die Zukunft der Kirche, der 1977 unter dem netten Titel erschien: „Wie wird die Kirche im Jahr 2000 aussehen?“
Ein ruhiger prophetischer Text, der es verdient, zitiert zu werden. Die scharfe Kritik mündet keineswegs in eine düstere Vorahnung, sondern weckt Hoffnung auf einen heilsamen Realismus, der genau der Realismus der heutigen Weih-Nacht ist. Er sagt:

„Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. Sie wird viele der Bauten nicht mehr füllen können, die in der Hochkonjunktur geschaffen wurden.
Sie wird mit der Zahl der Anhänger viele ihrer Privilegien in der Gesellschaft verlieren. Sie wird sich sehr viel stärker gegenüber bisher als Freiwilligkeitsgemeinschaft darstellen, die nur durch Entscheidung zugänglich wird. Sie wird als kleine Gemeinschaft sehr viel stärker die Initiative ihrer einzelnen Glieder beanspruchen.“
(Glaube und Zukunft, 122f)
 „Der Vorgang der Kristallisation und der Klärung wird ihr auch manche guten Kräfte kosten. Er wird sie arm machen, zu einer Kirche der Kleinen sie werden lassen. … Der Prozess wird lang und mühsam sein…“ (123f)
„Aber nach der Prüfung dieser Trennungen wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen einer ganz [durch]geplanten Welt werden unsagbar einsam sein. Sie werden, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist, ihre volle, schreckliche Armut erfahren. Und sie werden dann die kleine Gemeinschaft der Glaubenden als etwas ganz Neues entdecken. Als eine Hoffnung, die sie angeht, als eine Antwort, nach der sie im Verborgenen immer gefragt haben. So scheint mir gewiss zu sein – so der spätere Papst –, dass für die Kirche sehr schwere Zeiten bevorstehen. Ihre eigentliche Krise hat noch kaum begonnen… Aber ich bin auch ganz sicher darüber, was am Ende bleiben wird: Nicht die Kirche eines politischen Kultes…, sondern die Kirche des Glaubens. Sie wird wohl nie mehr in dem Maß die gesellschaftsbeherrschende Kraft sein, wie sie es bis vor Kurzem war. Aber sie wird von Neuem blühen und den Menschen als Heimat
sichtbar werden, die ihnen Leben gibt und Hoffnung über den Tod hinaus.“ (124f)

Darf man so etwas an Weihnachten sagen?

Soweit die Vision Ratzingers. Darf man so etwas an Weihnachten sagen? Ich denke schon: Denn Weihnachten soll keine Illusion sein, keine Flucht vor der Realität, keine Auszeit der Vernunft. Gerade angesichts dieser Festtexte ist es naheliegend, von einer armen und kleinen Kirche zu sprechen. Denn hier wird in der Armut und im Schatten des Kreuzes die hellste, wärmste und beglückendste Geschichte erzählt. Denn genau so und nur so ist es Gott gelungen, in die Welt einzusteigen.
Das „Verlieren“, wovon der spätere Papst schon 30 Jahre vor seiner Papstwahl redet, ist ein heilsamer Verlust. Es geht nicht darum, dass wir schäbig und ärmlich werden, dass unser Kaffee wässrig und unsere Worte lasch sein sollen.

Ganz im Gegenteil: Wir müssen zur Risikobereitschaft und zur „Passion“ zurück-finden, die beides umfasst: Leiden und Leidenschaft. Denn nur die Leidenschaft macht uns zum Leiden fähig, das in der Welt unvermeidlich und in der Welt des Glaubens unersetzbar ist. Weihnachten erzählt von dieser Passion Gottes und seiner Freunde. Wir sind andauernd bemüht, immer mehr Puderzucker darüberzustreuen, um das Bittere daran zu verdecken. Das ist verständlich, aber nicht nötig, denn der volle Geschmack des Festes enthält ohnehin auch die andere süße Seite.

Ent-weltlichung, um in der Welt zu sein

Die „verinnerlichte und vereinfachte Kirche“ – einige Jahrzehnte später wird er von „Entweltlichung“ reden – bedeutet nicht einen Rückzug ins Innere, um die Welt zu meiden. Sie bedeutet, dass wir uns nicht auf äußere Strukturen und Privilegien verlassen oder hoffen und nicht auf gesellschaftliche Positionen und Macht vertrauen, uns von Popularität und gesellschaftlicher Akzeptanz nicht blenden lassen, sondern dass wir in der Tiefe unseres Denkens, Urteilens und Lebens Kirche sind – nicht bloß äußerlich und auf der Oberfläche. Verinnerlichung meint das, was von Maria gesagt wird, dass sie alles in ihrem Herzen erwog; es bedeutet das improvisierte Betlehem gegenüber dem politisch undurchsichtigen Jerusalem; die wachenden Hirten gegenüber den verkopften Schriftgelehrten und das unscheinbare, ohnmächtige Kind gegenüber dem Kaiser Augustus.
Gott kommt nicht als „seine Majestät“ mit einem Hofstaat, sondern als armer Säugling von einfachen Eltern, deren Gerechtigkeit und Gläubigkeit Gott wichtiger ist als der Glanz der Welt. So dürfen wir heute Nacht die arme Krippe als unser eigenes Wesen und unsere baldige reale kirchliche Zukunft anschauen und uns darüber ehrlich und dankbar freuen.

© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

B. Friede, wenn alle Bedrohungen wegfallen?

Endlich ist Weihnachten nach einer Zeit ausgefallener Adventsmärkte und Weihnachtsfeiern und sorgenvollen Wartens, was uns das Corona-Virus bringt. Aber ein solches Gefühl hat tatsächlich mit dem zu tun, was wir begehen, nicht nur mit unserer Lage im Jahr 2021. Das Volk Israel wartete auf das Kommen des Messias, des Erlösers, den Gott doch schon nach dem Sündenfall der ersten Menschen verheißen hatte, des Friedenskönigs, den dann der Prophet Jesaja verheißen hatte. Wann wird Gott seine Verheißungen endlich wahr machen? Wenn zuerst die Römer und alle fremden Herrscher aus dem Land gejagt sind? Wenn alle Entzweiungen im Gottesvolk überwunden sind? Wenn alle gefährlichen Viren ausgerottet und die widerlichen Schutzvorschriften aufgehoben sind? Wenn in unseren Gemeinden Friede eingekehrt ist?

Wann gab es je Zeiten, die nach solchem Frieden aussahen?

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass das Evangelium die Geburt Jesu nur in einem Satz erwähnt. Es beginnt mit der Angabe der Zeit und ihrer äußeren Umstände: Zur Zeit der Herrschaft des Kaisers Augustus, als er den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen, und als Quirinius Statthalter von Syrien war. Umstände, die allem entgegenstanden, was man sich unter Erlösung vor­stellen kann. Aber das gehört wesentlich zu der Botschaft dieses Tages dazu, wie schon in den pro­phetischen Worten Jesajas: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.“ Das Gottesvolk stand nicht mehr leuchtend durch seine Lebensweise da zur Orientierung für alle Völker. Es war dazu übergegangen, sich selbst an den glitzernden Leitbildern der anderen Völker zu orientieren, bis es schließlich von ihnen erobert wurde und deportiert im heidnischen Babylon leben musste.

Und die Umstände, die das Evangelium nennt: Herrschaft des Kaisers Augustus, der sich als Friedens­könig und Retter feiern ließ, denn er hatte sich fast alle Völker der damals bekannten Welt unter­worfen und ihrer Fähigkeit, Kriege zu führen, ein Ende gemacht. Selbst seine Verwandten ließ er umbringen, damit sie seine Herrschaft nicht mehr gefährdeten. Die Er­gebnisse der Herrschaft der römischen Kaiser waren spätestens, als Lukas sein Evangelium schrieb, zu sehen: Die Römer hatten Jerusalem und den Tempel zerstört. Einer der Nachfolger des Augustus, Nero, begann, die Christen im römischen Reich grausam zu verfolgen. Der Friede, den Augustus brachte, die pax romana, war kein wirklicher Friede, sondern beruhte nur auf Unterwerfung und gewaltsamer Unter­drückung aller, die sich dagegen auflehnten.

Ist es heute anders, dort wo mit militärischer Gewalt Regime niedergeschlagen wurden, um angeblich Menschenrechten wieder Geltung zu verschaffen? Libyen, Afghanistan, Irak, was ist daraus geworden? Das ist der Hintergrund, auf dem Lukas das Weih­nachts­evangelium schreibt mit dem Wort des Engels: „Heute ist in der Stadt Davids der Retter geboren“, heute, zur Unzeit, wo der Zustand der Welt, der Zustand unserer Gemeinden wie damals nicht so ist, dass sie bereit wären, ihren Herrn zu empfangen, allenfalls draußen im Stall – da wird er schon niemanden infizieren. Solches wollen ja auch die Bilder zum Ausdruck bringen: „Mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht“; das sind ja keine historisch belegten Zeitangaben. In die Lage hinein ist die Botschaft des Evangeliums: Der Retter ist da, und das ist nicht der siegreiche Feldherr Augustus, nicht der amerikanische Präsident, nicht unsere neue Regierung, sondern das Kind Jesus, das da in der Futterkrippe liegt.

Friede – mitten im kalten Winter?

Darauf folgt der Lobgesang der Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ Da ist manchen vielleicht noch die alte Über­setzung im Ohr: „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.“ Aber das war eine Fehlübersetzung, die berichtigt wurde. Der Unterschied ist nicht un­wesentlich: Viele denken, mit gutem Willen und Bemühen wäre das Böse in der Welt schon zu überwinden und Friede zu erreichen. Die Sicht der Bibel ist da rea­listischer; sie gibt sich keinen Illusionen hin über den guten Willen der Menschen. Sie spricht von einer langen Geschichte, dass es den Menschen mit allem guten Willen nicht gelungen ist, die Welt zu verbessern. Die Geburt des Kindes aus der Jungfrau ist eine Chiffre dafür, dass der messianische Friede reine Gnade Gottes, ein reines Wunder von ihm her ist, nicht Ergebnis unseres guten Willens, unserer Anstrengung. Die Menschen seines Wohlgefallens sind es, die auf sein Werben eingehen, sich auf seinen Friedensplan einlassen: Ihnen ist der Friede verheißen.

Die Behauptung, dass Engel erschienen sind, bedarf der Bestätigung durch Ereig­nisse, die zu sehen sind. Was real zu sehen ist, sind die Hirten, die hinlaufen zu dem Kind, das da geboren ist. Deshalb ist es so wichtig, dass Lukas von ihnen erzählt. Es waren Menschen, auf die die Menschen in den Städten und Dörfern herabschauten wegen ihrem Leben am Rande der Gesellschaft, draußen bei ihren Herden. Aber sie waren die ersten, die die Nachricht von der Geburt des Messias empfingen und mehr davon bewegt waren als die Gläubigen in den Städten, die traditionell ihre Gebete ver­richteten und zu den Gottesdiensten gingen und dabei gar nichts Neues mehr von Gott erwarteten.

Paulus beschreibt die Gemeinden und ihr konkretes Leben

Lukas schrieb dieses Evangelium für seine Gemeinden, die genau so unbedeutend und verachtet waren. Der Apostel Paulus schildert sie einmal so: „Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt.“ Aber trotz aller Streitig­keiten auch in den Gemeinden der Christen, die Paulus nicht verschweigt, wurde dort immer wieder ein Friede möglich, wie er sonst menschen­unmöglich ist, und bestätigte so, dass tatsächlich dieses Kind Jesus der Friedenskönig war.

Wenn wir also heute der Hirten gedenken, feiern wir zusammen mit der Geburt Jesu auch die Geburt seines Volkes, wie der heilige Papst Leo der Große einmal sehr schön sagte: Der Geburtstag des Hauptes ist auch der Geburtstag der Glieder seines Leibes.

Und wenn wir dann uns anschauen, die Kirche und unsere Gemeinden, dann lässt ihre Lage uns doch wieder zweifeln an dem großen Wort von dem Friedenskönig. Darauf antwortet der Evangelist Lukas, indem er uns das kleine Kind in der Krippe in seiner ganzen Not und Bedürftigkeit vor Augen stellt. Sie ist den Gemeinden seiner Nach­folger geblieben. Das ist das, was zu sehen ist. Die Engel deuten es als Zeichen für das wirkliche Geschehen: Dort ist uns der Retter geboren, der uns lehrt und er­mög­licht, „die Gottlosigkeit und die irdischen Begierden zu überwinden“, er, der sich „für uns hin­gegeben hat, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört“, wie es in der zweiten Lesung Paulus ausdrückt.

Wir dürfen uns auch heute wiederfinden in dem „Volk, das in der Finsternis ging, denen, die im Land des Todesschattens wohnten, und denen ein Licht aufstrahlt“. Und wir dürfen herbeieilen wie die Hirten und sind erhoben, einzustimmen in den Gesang der Engel und Gott zu loben. Durch das kleine Kind in der Krippe, durch seine genauso armen und hilfsbedürftigen Gemeinden, die er unserer Sorge anvertraut hat, weist er uns den rettenden Weg, das Böse und alles, was uns von ihm und voneinander trennt, zu überwinden.

© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 18

A. Warum man sich freuen kann (von Achim Buckenmaier)B. Doppelte Freude mitten in Advent und Fastenzeit (von Tamás Czopf)C. Umkehr ist kein „frommes“, sondern ein säkulares Wort (von Konrad Wierzejewski) (Die nachstehenden Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen des 3. Adventsonntags im Lesejahr C: Zefanja 3,14-18a gekürzt; Philipperbrief 4,4-7; Lukas 3,10-18) A. Warum man sich […]

A. Warum man sich freuen kann (von Achim Buckenmaier)
B. Doppelte Freude mitten in Advent und Fastenzeit (von Tamás Czopf)
C. Umkehr ist kein „frommes“, sondern ein säkulares Wort (von Konrad Wierzejewski)

(Die nachstehenden Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen des 3. Adventsonntags im Lesejahr C: Zefanja 3,14-18a gekürzt; Philipperbrief 4,4-7; Lukas 3,10-18)

A. Warum man sich freuen kann

Der dritte Adventssonntag heißt mit seinem lateinischen Namen „Gaudete“ – „Freut euch!“ Das ist das Stichwort, das aus der zweiten Lesung genommen ist, aus dem Brief, den Paulus aus dem Gefängnis (in Rom oder Ephesus) an seine Lieblingsgründung, an die Gemeinde in Philippi, geschrieben hat: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“

Im Jahr 2018 hat Papst Franziskus einen Brief über die Berufung der Christen zur Heiligkeit geschrieben, der einen ähnlichen Titel trägt: „Gaudete et exsultate“ – „Freut euch und jubelt“. In diesem Schreiben sagt Papst Franziskus etwas, was für uns wie eine Lesehilfe ist, die biblischen Texte von heute – die Lesung aus dem Buch des Propheten Zefanja, den Philipperbrief und das Lukas-Evangelium – besser zu verstehen. Er schreibt Folgendes:
„Wir haben oft gesagt, dass Gott in uns wohnt, aber es ist besser zu sagen, dass wir in ihm wohnen, dass er uns erlaubt, in seinem Licht und seiner Liebe zu leben. Er ist unser Tempel.“

*

Was der Papst da sagt, kehrt in den beiden Lesungen wieder. Der Prophet Zefanja war einer der Propheten, der das jüdische Volk in einer kritischen Phase seiner Geschichte ansprach, mit einer scharfen Kritik an den führenden Personen. Zefanja lebte in den Jahrzehnten vor der großen Katastrophe des Exils und er zitterte um die Zukunft des Volkes Gottes. Den wenigen Juden, die inmitten der prekären politischen Lage und der religiösen Krise im 7. Jahrhundert vor Christus ihr Vertrauen auf Gott nicht verlieren, ruft er zu: „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte.“

Man kann es leicht hören: Das „Du“, das da angesprochen wird, ist nicht ein einzelner Glaubender, der jetzt seinen ganzen Mut zusammennehmen muss. Dieses „Du“ ist ein „Wir“, ist die Tochter Zion, die Tochter Jerusalem, Israel, also das Volk, die Gemeinschaft der wenigen, die das in der Katastrophe erneuerte Volk Gottes bilden wollen. Zweimal wiederholt Zefanja diese Aussage: „Der Herr ist in deiner Mitte.“

Und wie ein Echo dieser prophetischen Zusage klingt die Ermutigung aus der Zeit der ersten christlichen Gemeinden, fast acht Jahrhunderte später, die Paulus nach Philippi schreibt: „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.“ Wieder ist es ein „Wir“, das da angesprochen wird, die Gemeinde in Philippi. Und deswegen meint auch das „In“ – „in Christus Jesus“ – seine Gemeinde, die Gemeinschaft der Christen, in deren Mitte Gott wohnt. „In Christus Jesus leben“ heißt: in seiner Gemeinde, in der Kirche, im Volk des Gottes Israels leben.

*

Im Christentum hat es eine sehr nachhaltige Tendenz gegeben, dieses „Wir“ der Heiligen Schrift zu vergessen und es als „Ich“ zu verstehen. Ich und Christus. Ich und Gott. Meine Seele und mein Gott. Dann verschwindet das Gottesvolk, das Gottes Hauptansprechpartner in der Welt ist. Dann verschwindet die soziale Dimension des Christseins, verschwindet der gesellschaftliche „Leib Christi“. Bis heute ist dieses „Gott und meine Seele“ in der Kirche attraktiv. Weil die Kirche so beladen ist mit ihrer Geschichte, weil die Pfarreien und Gemeinschaften oft unglaubwürdig sind, brüchig, mit Enttäuschungen verbunden werden, setzt sich auch unter uns Christen diese Religion des „Gott im Innern“, „Gott in sich selbst finden“ immer mehr durch.

Warum soll ich den mühseligen Weg gehen, Gemeinschaft zu suchen, mich auf andere einlassen, warum soll ich mich der Mühe aussetzen, die eine Gemeinschaft von Glaubenden mit sich bringt – die grundlegenden Verschiedenheiten, die nicht ausbleibenden Missverständnisse –, um in deren Mitte Gott zu finden?

Der Grund ist einfach: Wenn ich den Gott in meinem Inneren suche und anbete, läuft es letztlich darauf hinaus, dass ich mich selber finde und anbete. Was vielleicht fromm und religiös aussieht, ist letztlich eine Verzerrung des biblischen Glaubens und eine Selbsttäuschung, ein Zerrbild des Glaubens. Nur in der Weggemeinschaft der Glaubenden finden wir den Gott Israels, den wahren Gott, nicht den Gott, den ich mir zusammenzimmere, den ich mir mache. Nur in dieser „Mitte“ des Volkes Gottes, nur im Zusammen weichen wir dem Konkreten des Glaubens nicht aus, verdrängen wir nicht den Weltauftrag des Glaubens, diese Erde zu gestalten nach Gottes Willen, diese Welt und unsere Beziehungen zueinander. „Es ist besser zu sagen, dass wir in ihm wohnen. Er ist unser Tempel.“

*

Von diesen Gedanken her ist es nicht schwer, auch einen Aspekt des Evangeliums dieses Sonntags zu verstehen, den man aufs Erste gar nicht so erkennt. Die Leute, von denen Lukas erzählt, dass sie zu Johannes dem Täufer kamen, lebten genau in diesem jüdischen Wissen, dass der Glaube an den Gott Israels nicht ein individueller Seelenbalsam ist, sondern ein Auftrag. Deswegen fragen sie hartnäckig: Was sollen wir tun? Von drei Berufsgruppen unter den Hörern des Täufers wird genau diese Frage gestellt: Was sollen wir tun? Nicht: Was sollen wir glauben? Was sollen wir denken? Sondern einfach: Was sollen wir tun? Johannes gibt konkrete Ratschläge, die für jede einzelne Gruppe passend sind: Was man hat, teilen. Niemanden übervorteilen. Niemanden zwingen oder erpressen.

Wenige Monate später wird Jesus genau dieselbe Frage gestellt, mehrfach: Was sollen wir tun? Was muss ich tun? Freilich ist die Antwort Jesu eine andere als die des Johannes. Er gibt nicht mehr einzelne, berufsbezogene Antworten, sondern nur noch diese eine: Folge mir nach! Das heißt: Schließe dich dieser Weggemeinschaft an. Komm in diesen Kreis der Jünger. Sei mit mir und mit ihnen zusammen. Dann erkennst du auch, was du tun sollst. Das ist das „Stärker“ Jesu, sein „Mehr“, das Johannes anerkennt. Das ist „Heiliger Geist und Feuer“, mit dem Jesus die Seinen tauft.

Statt „Gott in mir“ ist es besser, dass wir in ihm wohnen, mit ihm sein, in seiner Gemeinschaft leben, so wie es der Papst mit seinen Worten gesagt hat. Es ist besser, richtiger, „in jeder Lage“, in der wir uns befinden, sei es Corona, Krankheit, Unsicherheit oder anderes, was uns bedroht und bedrängt. Und es ist der eigentliche Grund der Freude an diesem dritten Sonntag des Advent, heute und überhaupt.

© Dr. Achim Buckenmaier, Hechingen St. Dionysius (Schlatt) und St. Jakobus

B. Doppelte Freude mitten in Advent und Fastenzeit

Zweimal im Jahr, in der Fastenzeit und im Advent, begibt sich die Liturgie anhand ihrer Schrifttexte auf die Suche nach der genauen Art und dem Grund der Freude.
Heute in der Lesung vom Propheten Zefanja fällt auf, noch bevor man wüsste, warum genau die Freude angesagt ist, dass Jubel und Freude gleich zwei Subjekte betrifft: nicht bloß Jerusalem, die Tochter Zion, d.h. die gläubigen Einwohner der Stadt, soll sich freuen, sondern auch Gott freut sich – wie es heißt: „Er freut sich und
jubelt über dich, … er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.“

Gottes und des Menschen Anlass zu jubeln

Nicht jede menschliche Freude wird wohl für Gott Anlass zum Jubel sein, wenn auch unsere alltäglichen Freuden ihn sicher erheitern. Auch umgekehrt, nicht jedes Leid ist Grund zur Trauer, denn es kann auch hilfreiches Leid geben, das uns wachsen und reifen lässt. Aber diese Freude, die uns ausgerechnet in den besinnlichen Zeiten vor
Ostern und Weihnachten vorgestellt wird, gibt es nur in diesem Doppelpack: als Freude Gottes und des Menschen zugleich.
Das scheint die Freude des Menschen über die Freude Gottes zu sein: darüber, dass Gottes Plan für die Welt aufgeht, wenn das Schicksal seines Volkes innen und außen sich zum Guten wendet, da freut sich Gott und jubelt der Mensch in einem tiefen Einklang, das macht diese Freude so besonders.

Dieselbe Erfahrung steht im Hintergrund auch der zweiten Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Philippi:
Dort hörten wir einen bedenkenswerten Satz mit großer Wirkung: „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ Sich um nichts zu sorgen, ist kein allgemein christliches Prinzip, sondern die Spitze des Glaubens. Mit der Schöpfung bekommt der Mensch ja den Auftrag, für die Schöpfung, für sein Leben und für eine funktionierende Gesellschaft zu sorgen. Dennoch birgt sich in diesem Aufruf zur Sorglosigkeit, der auch als Gebot aufgefasst werden kann, eine tiefe Erfahrung über Gott. Die Sorglosigkeit als Spitze des Glaubens zielt auf die Sorge um das Reich Gottes; ihm soll unsere Hauptsorge gelten, wie Jesus sagt: „Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dazugegeben“; aber diese Sorge braucht der Mensch nicht allein zu tragen. Gottes Plan zu verwirklichen und das Reich Gottes herbeizuführen, ist menschlich nicht machbar, sondern bleibt ein überraschendes seltenes Geschenk. Hier hat die Gelassenheit im Gottvertrauen Berechtigung, auch und gerade, nachdem alles Menschliche getan ist.

Ist nicht vielleicht schon der Täufer, Johannes, der Messias?

Paulus lässt keinen Zweifel daran, dass es auch in der Gemeinde zu Philippi Nöte gibt, die zu „Bitten und Flehen“ Anlass geben. Aber erstaunlicherweise soll man diese Bitten gleich zusammen mit Dank vortragen: „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott“ – lesen wir. An die Bitte gleich den Dank anzuhängen, ist kein spirituell-psychologischer Trick, der uns innerlich überlistet, sondern eine gläubige Sachlichkeit: Das Entscheidende ist nämlich von Gott her schon gegeben, getan und sogar vollbracht, wie es Jesu letztes Wort am Kreuz bezeugt.

Dieselbe Haltung finden wir hier wie beim Propheten Zefanja: Zuversicht und Freude im Einklang mit Gott, denn es geht um seine Sache, seine Sorge und seine Zuständigkeit, mein Dank ist „in jeder Lage“ berechtigt.
Damit kommen wir zum heutigen Evangelium. Wenn im Advent die imposante Gestalt des Johannes in der Wüste auftaucht, stellt sich die Frage, warum seine Person und seine Predigt nicht ausgereicht haben. Die Leute fragen sich nicht ohne Grund: Ist nicht vielleicht Johannes der Christus, der Messias…? Schon seine Geburt aus einer unfruchtbaren Mutter, mit einem Vater, der zuerst verstummt und dann wieder reden kann, ist voller Wunder; aber auch seine radikale Entschlossenheit, in die Wüste zu gehen und die Umkehr zu predigen, ist beeindruckend. Die Zusammenfassung seiner Botschaft, von allen Evangelien zitiert, ist wortgleich mit der Botschaft Jesu: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Jesus ist weniger markant in der Art und Weise, wie er auftritt, und auch sein Programm ist auf Dauer nicht so eingängig wie bei Johannes. Dennoch ist nicht der Täufer der Gesalbte, seine Predigt ist nicht mehr als die Worte der Propheten – was freilich auch schon sehr viel ist. Aber Johannes predigt wie jeder Prediger: Er gibt vernünftige ethische Anweisungen aus der jüdischen Tradition, die Leute sollen miteinander teilen, materiellen Ausgleich schaffen; die Zöllner sollen nicht betrügen, und die bewaffneten und kampfgeübten Soldaten sollen ihre Stellung und Macht nicht
missbrauchen. Damit hätten wir schon sehr viel; was will man mehr…! Johannes scheint auf der Ebene von Nation, Staat und Gesellschaft zu denken.

Was ist dann „Messias-Freude“?

Der Messias wird nicht Wohlstand und Ruhe herbeiführen, sondern – das ist eine andere Ebene – unsere tiefste Berufung und Sendung freilegen und alle, die sich rufen lassen – gerade inmitten von Not und Elend – zu einer neuen Gemeinschaft miteinander verknüpfen, einer Gesellschaft, die mehr einer Familie als einem Staat gleicht. Ein Staat, wenn er gut funktioniert, kann viel helfen und auch viel verhindern, aber messianisch kann er nicht sein.
Allgemeine Solidarität und Gerechtigkeit – die unglaublich viel und erstrebenswert sind – sind nur ein, wenn auch ein sehr wichtiger Teil der Verheißungen. Jesus setzt auf das Nicht-Machbare und das nicht Menschengemachte. Und Johannes ist am größten, indem er von sich weg auf Jesus zeigt, den Kommenden, den Größeren. In diesem Sinn wird bei der Taufe über Jesus die Stimme vom Himmel sagen: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Und deshalb fragt Jesus einmal die ihn Hinterfragenden zurück: „Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ Das ist also das Neue, der neue Grund für die Freude: Der Bräutigam ist da, wie sollten sich die Braut und alle Gäste nicht freuen… Das geht über die Person des Täufers hinaus und weist auch über das gewöhnliche Menschsein Jesu hinaus. Die zwei Subjekte der Freude, Mensch und Gott, kommen zu vollkommenem Einklang. Nicht weil das Volk Großes geleistet hätte, sondern weil Gott ihm in aller Schwäche und Schuld begegnet ist.

Das ist der tiefere Sinn und die tiefste Freude des Advent: die Vorbereitung, die Erwartung der Begegnung von Gott und Mensch, damit der besondere Einklang in der gemeinsamen Freude entstehen kann.

© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

C. Umkehr ist kein „frommes“, sondern ein säkulares Wort

 „Gaudete“ – „Freut euch“ steht seit jeher als Thema über diesem 3. Advents­sonntag. Was für eine Freude war da, ist da gemeint? „Betrachten wir uns gegen­seitig, so gibt es wenig Grund zur Freude. Müh­sam überdecken wir unsere Angst. … Wir müssen Abstand voneinander halten, um uns überhaupt gegenseitig auszuhalten. Jede Freude ist bedroht.“ So begann ein Mitbruder vor vielen Jahren seine Predigt zu diesem Sonntag. Als ich es jetzt las, kamen mir die Worte in einem ganz neuen Sinn, einer neuen Aktualität entgegen, jetzt in diesen langen Monaten der Covid-19-Pandemie: die Angst, der Andere könnte mich infizieren. Wir müssen Abstand voneinander halten, um uns vor dem Nächsten zu schützen. Da ist das Thema eine ziemliche Herausforderung.

Die Freude des Paulus

Das Wort „Freut euch“ stammt von Paulus. Von welcher Freude kann er schreiben? Er sitzt im Gefäng­nis in Ephesus oder Rom, ein Lockdown ganz eigener Art, er weiß nicht, wie der Prozess gegen ihn ausgehen wird, und schreibt in einem Brief an seine Gemeinde in Philippi, sie sollten sich freuen, immer, zu jeder Zeit, ungeachtet der Bedrohung durch Verfolgung und Ver­leumdung. Seine äußere Situation lässt dem, was wir gewöhnlich als Freude bezeichnen, nicht viel Raum. Die Bedrängnis der Gemeinde in Philippi ist groß, das Leben der Christen höchst gefährdet. Was ist das für eine Freude, die den Menschen so sehr in seiner Tiefe ergreifen kann, dass selbst lebens­bedrohliche Situationen sie nicht zer­stören können? Ist es die Freude eines Lebenskünstlers, der es fertig bringt, nichts tragisch zu nehmen? Steht dahinter ein Leichtsinn, der seine Augen einfach ver­schließt vor eigener und fremder Not und alle Schwierigkeiten überspielt? Ist es ein Gefühl, in das man sich hineinsteigert?

Es ist etwas anderes, von dem Paulus spricht, es ist die Freude, von der der Prophet Zefanja spricht: Gott ist mitten in seinem Volk, er freut sich über sein Volk und be­schützt es vor her­andrän­genden Feinden. Jubeln, jauchzen und frohlocken soll das Gottesvolk über die Treue Gottes, es darf ihm trauen aufgrund seiner Geschichte mit ihm. Denn seit er Israel unter der Führung des Mose aus Ägypten herausgeführt hat, hat er es immer wieder geführt, gehalten und geschützt. So sind auch wir mit allem, was uns umgibt, auch mit unseren eigenen Fähigkeiten und Schwächen, unserer Vergangen­heit, unserem Versagen von Gott angeschaut, erwählt, gesammelt in seiner Kirche.

Der Blick Gottes, liebevoll und zugewandt kritisch

Von Gott angeschaut mit seinem gleichermaßen ganz liebevollen und ganz kritischen Blick: So gehört auch die Gerichtspredigt des Johannes zur Botschaft dieses Sonntags, und auch der Freudenbotschaft Zefanjas gehen Gerichtsworte voraus: „In jener Zeit durch­suche ich Jerusalem mit der Laterne und rechne ab mit den Herren, die dick geworden sind auf ihrer Hefe und denken: ‚Der Herr tut weder Gutes noch Böses.‘ Darum werden ihre Reichtümer geraubt und ihre Häuser verwüstet. … Du gleich­gültiges Volk, sammelt euch, tut euch zu­sammen, ehe ihr zerstreut werdet und zerstiebt wie Spreu.“ Es ist nicht so, dass sie ungläubig geworden wären. Die Menschen hielten sich an die heiligen Traditionen und kannten ihre religiösen Pflichten, hatten Gott einen Platz eingeräumt für gelegentliche Frömmigkeit als einem lieben Gott, den man gut kannte, von dem man wusste, welches Maß man ihm schuldete. Dort aber, wo das Leben an­fing, galten andere Gesetze, hatten die eigenen Pläne und Wünsche Vorrang.

Weil das so ist und der Mensch immer suchte, sich in seiner runden Welt von Gott nicht stören zu lassen, kann die Geschichte Gottes mit dem Menschen nicht anders als eine Geschichte von Krisen sein. Immer wieder muss das enge Gehäuse des Menschen aufgebrochen werden, sei es damals, als das Unausdenkliche geschah, dass Gottes erwähltes Volk und Gottes Tempel von einer heidnischen Großmacht besiegt wurden und die Menschen an ihrem Gott verzweifelten, oder sei es heute, wo ein Virus die Welt in Atem hält und uns als Kirche Gottes nicht verschont. So als Gottesvolk, als heilige Kirche in Frage gestellt, steht der Mensch vor der Wahl, an seinen Vorstellungen, wie Gott sein muss, festzu­halten und auf die Heidenvölker, auf die böse Welt oder das böse Virus oder die Chinesen oder auf unsere Politiker zu schimpfen, mit seinem Glauben zu verzweifeln, oder zu fragen: Kann man dieses Ereignis nicht auch so sehen, dass  Gott uns etwas sagen will, dass wir uns ändern müssen?

Gerichtspredigten erscheinen heute vielen unerträglich, als stehe dahinter das Bild eines rachsüchtigen Gottes. Aber nicht Gott verhängt Unglück und Katastrophen. Die Pro­pheten verstehen die Zeichen der Zeit und können ihren Mitbürgern aus der jahrtausende­langen Erfahrung des Gottesvolkes sagen, wohin es führt, wenn sie so weitermachen wie bisher, nicht weil Gott sie straft, sondern weil heilloses Tun in sich heillose Folgen hat. Unglücke führen die Menschen selbst herbei. Während­dessen sucht Gott unaufhörlich nach einem Ausweg, nach einem Neubeginn mit Hilfe seiner Propheten. Aber dazu ist es not­wendig, und diese Aufgabe nimmt Johannes der Täufer wahr, zuerst die unter den Teppich gekehrte Wahrheit über das Tun und Lassen des Volkes und seiner Verant­wortlichen ans Licht zu bringen. In diesem Sinne will Gerichtspredigt verstanden sein: die Wahrheit beim Namen nennen, um zu retten.

Nur die Erschütterung, die solche Worte auslösen wie das Bild vom Dreschen: „Bin ich jetzt Weizen oder etwa Spreu, die verbrannt wird?“, kann es nicht erreichen, dass ein Mensch sich ändert. Sie war erst der Boden für die Botschaft Jesu. Johannes be­kannte selbst: „Ich taufe nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich.“ Es braucht noch eine andere Kraft, die den Menschen zieht und lockt.

Die andere Kraft, die zur Umkehr lockt

Um diese Kraft weiß schon Zefanja, wenn er von Gottes erwartungsvoller Liebe zu seiner Braut Israel, seiner Freude an ihr spricht: „Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir.“ Das zu erfahren, dass Gott nicht an seinem Volk ver­zweifelt, dass er sich seine Freude an seinem Volk nicht nehmen lässt, das ist der tiefste Punkt, der Umkehr ermöglicht, ihre eigentliche Kraftquelle. Diese stellt Jesus in den Mittel­punkt seiner Botschaft und ruft die Menschen aus ihren alten Verhältnissen her­aus: „Komm und folge mir nach.“ Und dann die Freude darüber, das größere Glück ge­funden zu haben, sie erst vermag es den Menschen auf den neuen Weg zu ziehen.

Auf ein Fest zuzugehen, sind wir gerufen. Es vorzubereiten, ist schon fast zu viel ge­sagt. Durch kluge Planung und unsere Bemühungen lässt es sich nicht ermöglichen, nur indem sich jeder in dieses Fest ganz hineingibt. Wenn dagegen jeder wieder auf sich schaut, wieder Angst bekommt, obwohl er sich von Gott getragen weiß, sich wieder mehr um sich sorgt als um das Fest, da verschwindet die Freude. „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ schreibt Paulus und meint damit nicht ein verant­wortungslos-unbekümmertes In-den-Tag-hinein-Leben. „Der Frie­de Gottes, der alles Verstehen übersteigt“: Paulus hat an seinem eigenen Leben erfahren, was das heißt, dass Gott rettet, sammelt und Um­kehr ermöglicht und die Freude: bei ihm, der umkehren konnte und sich plötzlich in einer neuen Welt vorfand, aber auch bei denen, die das mit ansehen durften.

„Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, wie man frohlockt an einem Festtag.“ Das, die Chance zu unserer Umkehr, ist nicht etwas, auf das wir noch warten müssen. Wir leben in der Zeit der Erfüllung, war die umwerfende Erfahrung des Paulus. Dass sie auf uns überspringe, ist der Zuspruch dieses Sonntags im Zugehen auf das Fest.

© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 17

A. Herbergsuche – der Weg heim nach Jerusalem? (von Tamás Czopf)B. Die Sprache der Kirche von Nöten und Katastrophen (von Konrad Wierzejewski) (Beide Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen des 2. Adventsonntags im Lesejahr C: Baruch 5,1-9; Philipperbrief 1, 4-11 gek.; Lukas 3,1-6) A. Herbergsuche – der Weg heim nach Jerusalem? Während wir Katholiken in […]

A. Herbergsuche – der Weg heim nach Jerusalem? (von Tamás Czopf)
B. Die Sprache der Kirche von Nöten und Katastrophen (von Konrad Wierzejewski)

(Beide Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen des 2. Adventsonntags im Lesejahr C: Baruch 5,1-9; Philipperbrief 1, 4-11 gek.; Lukas 3,1-6)

A. Herbergsuche – der Weg heim nach Jerusalem?

Während wir Katholiken in dieser vorweihnachtlichen Zeit emotional vielleicht am meisten bei der Herbergsuche von Maria und Josef mitfühlen, stellt uns die Liturgie durch die Prophetentexte eine deutlich größere Wanderung vor Augen: einen Zug durch die Wüste in die Heimat, einen Weg aus der Gefangenschaft heim nach Jerusalem.

Die Bewegung von Gott auf uns zu und von uns auf Gott zu

Eine besondere Spezialität des Advent ist, dass er zwei Bewegungen miteinander verbindet: eine hinab und eine hinauf. Zum einen warten wir auf Gott, seine Ankunft und ‚Herabkunft‘, zugleich wissen wir, dass genauso auch Gott auf uns wartet, auf unsere Umkehr und unsere Bereitschaft, zu ihm zu kommen und seine Wege zu gehen. Auf der einen Seite soll sich der Himmel öffnen und den Gerechten herabregnen, auf der anderen Seite soll sich die Erde auftun und Gerechtigkeit hervorbringen.
Oder mit den Bildern der heutigen Lesungen: Auf der einen Seite soll für Gott ein Weg durch die Wüste bereitet werden, wie Lukas sagt, gleichzeitig bereitet Gott selber einen Weg für sein Volk durch die Wüste, damit es endlich frei nach Hause kommen kann. Darin können wir ein sehr tiefsinniges Prinzip beobachten, das auf die jüdische Entdeckung zurückgeht: Gott will handeln, aber sein Handeln ist gebunden, angehängt ans Handeln des Menschen. Wenn Gott, seine Gnade, sein Wort, seine echte und reale Hilfe nicht auf die Erde „herunterkommt“, wird sich der Mensch nicht aus dem Staub seiner Nöte und seines Elends erheben und auf die Höhe seines Wesens aufsteigen können. Wenn nicht Gott einen Weg durch die Wüste zurück in den Garten für den Menschen ermöglicht, wird dieser entweder fern von dem für ihn geschaffenen Ort des Friedens stecken bleiben oder in diversen Wüsten selbst gebastelter Scheinlösungen verdursten.

Zur Überzeugung eines biblischen Advents gehört aber auch, dass beide Bewegungen: das Bemühen des Menschen samt seiner Sehnsucht nach Besserem und Gerechterem und die Absicht Gottes, dem Menschen Besseres und Gerechteres, ja Gutes und Gerechtes zu ermöglichen, dass diese zwei sich sehr wohl treffen können und sich bereits getroffen haben. Israel hat diesbezüglich seine eigenen Erfahrungen.

Die Erfahrung, dass und wie Gott und Mensch einander treffen

Zum einen trägt dieses Volk von alters her die gläubige Erinnerung an die große Befreiung des kleinen Volkes aus Ägypten. Ein so unbedeutendes Völkchen hätte im Altertum kaum eine Chance gehabt, sich eigenständig zu entwickeln und eigene Wege zu gehen, wäre nicht Gott ihm zu Hilfe gekommen. Israel musste sich ständig mit stärkeren und größeren Mächten auseinandersetzen. Umso wichtiger war eine deutlich jüngere Erfahrung: Als das Volk in mehreren Anläufen dieses Mal von den Babyloniern besiegt worden war und viele vertrieben worden waren, gab es aus dieser ausweglosen Situation einen Ausweg und eine Rückkehr nach Zion.

Auch dies musste dem Konto Gottes gutgeschrieben werden, war es doch bloß ein kleiner Rest des Volkes, der den Mut und die Lust aufbrachte, sich auf die Rettungs-aktion Gottes einzulassen. Sie konnten vor dem Hintergrund der alten Erfahrung der Väter und der damals schon gesammelten Schriften der Bibel ihre gegenwärtige Geschichte als Rettung durch Gott deuten, einen guten Ausgang erhoffen und auf Kontinuität mit den altehrwürdigen Zeiten setzen. Dieser Vorgang bedeutet viel mehr als das Bangen um das nationale Bestehen und mehr als die Freude über die Erhaltung eines speziellen Volksgeistes. Die Realität, die faktischen Geschichten der Befreiung waren nämlich immer durchsichtig auf einen tieferen und umfassenderen, ja einen universalen Prozess, in dem Gott um sein Geschöpf Mensch ringt und ihm hilft.

Aber dieses sein Ringen hat eine ganz bestimmte und mich immer wieder begeisternde „Methode“, die in unserem Text aus dem Buch Baruch deutlich sichtbar wird. Gott will und kann in der Welt rettend erscheinen. Die Bibel sagt, dass er seine Herrlichkeit zeigt. Aber wie und wo zeigt er diese überzeugende Wucht seiner Schönheit? Baruch spricht die Stadt Jerusalem an, die für ganz Israel und seine glückende Geschichte steht. Diese Stadt soll sich wie eine schöne Frau ein neues Kleid anlegen und sich schmücken: „setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen.“

Jerusalem – Anreiz für Frieden und Gerechtigkeit, Gottes Herrlichkeit

Gott zeigt sich also nicht in einem unerklärlichen Naturphänomen, sondern an der Stadt, die von seinem Volk bewohnt ist. Gottes Herrlichkeit soll an Jerusalem erscheinen, indem seine Söhne und Töchter neu heimgeführt, gesammelt und ausgerüstet werden. Diese Verschönerung Israels und Jerusalems passiert nicht durch eine unbegreifliche Mystik, sondern durch konkrete Lebenswirklichkeiten, die hier als „neue Namen“ aufgezählt werden: „Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht.“
Gerechtigkeit und Gottesfurcht sind vom Menschen her das, was von Gott her Friede und Herrlichkeit ist. Lukas bringt es auf den Punkt: „Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen“ – nämlich das Heil, das von Gott her an seinem Volk erscheint.

Paulus übersetzt es meisterhaft in das konkrete Leben der Gemeinde; in der heutigen Lesung sagt er: „Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und jedem Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt.“ Er kann es nicht abverlangen und fordern, er kann dafür beten und darauf setzen, dass durch das geschenkte Verständnis die Gemeinde sich in der Unterscheidung übt, worauf es ankommt und was unwichtig ist. So kann etwas an der Gemeinde trotz Schwäche und Schuld aufglänzen, was nicht ihre Leistung, sondern Gottes Widerschein ist; Paulus weiter: „Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus kommt, zur Ehre und zum Lob Gottes.“

Das Kommen und Wirken Gottes und das Kommen und Wirken des Menschen treffen zusammen, denn sie brauchen einander, damit etwas Neues entsteht – wie bei der Schöpfung die Berge und Täler und üppigen Pflanzen, so entsteht jetzt eine glückliche Gemeinschaft, von der es heißt: „Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.“ Diese „ausgeliehene“ Herrlichkeit durch Umkehr und Vergebung jeder Schuld ist ein nie abgeschlossener Weg durch viele Wüsten des Lebens und der Geschichte hindurch zurück in die Heimat Jerusalem. Dieses Licht seiner Herrlichkeit soll auch in diesem Advent, auch an uns aufscheinen.

© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

B. Die Sprache der Kirche von Nöten und Katastrophen

Der erste Adventsonntag in diesem Jahr, dem Lesejahr C, hat die Frage aufgeworfen: „Dürfen wir die Texte der Heiligen Schrift so direkt auch auf unsere Gegen­wart hin auslegen?“ Da bietet uns dieser 2. Adventssonntag mit dem, was die Kirche uns vorstellt, die Gelegenheit, genau dieser Frage nochmals nachzugehen. Es ist doch die Frage: Wie gehen wir als Glaubende um mit Nöten, Katastrophen, die uns treffen? Sprach­losigkeit oder einfach Kommentare oder unkritische Übernahme der Denkmuster der Politiker und Virologen, wie sie so vielfach immer wieder, auch widersprüchlich, formuliert werden, das kann es nicht sein. Dafür stehen ja eben die Politiker und Wissenschaftler. Und auf der anderen Seite undifferenzierte Übernahme von alten Deutungsmustern wie „Strafe Gottes“, das kann es auch nicht sein.
Wie sieht der Umgang des Gottesvolkes, wie er uns in der Heiligen Schrift überliefert ist, mit so etwas aus? Genau davon spricht das Buch Baruch, aus dem unsere erste Lesung genommen ist.

Es entstammt der Zeit des Babylonischen Exils, das wir uns nicht wie das Elend von Flücht­lingen in armseligen Lagern vorstellen dürfen. Das Land am Euphrat war üppiger, reicher und fruchtbarer als das steinige und karge Bergland von Jerusalem und hatte eine hoch entwickelte, fort­schrittliche Kultur. Die Juden hatten es dort in ihrem Exil längst wieder zu Reichtum und Ansehen gebracht, hatten sich prächtig integriert. Viele wollten gar nicht nach Jerusalem zurück. Das eigentliche Elend, das nur wenige so empfanden, war, dass sie in Babylon nicht mehr als Gottesvolk nach der Sozialordnung vom Sinai lebten, sondern zerstreut in einer Gesellschaft, die ganz anderen Leitbildern folgte.

Die Rede von der Vertreibung nach Babylon

In den vorausgehenden Kapiteln reflektiert Baruch die zurückliegende Geschichte: „Wir haben nicht auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehört und auf alle Reden der Propheten, die er zu uns gesandt hat. Jeder von uns folgte der Neigung seines bösen Herzens; wir dienten anderen Göttern und taten, was böse ist in den Augen des Herrn, unseres Gottes. … Der Herr, unser Gott, ist im Recht; uns aber und unseren Vorfahren treibt es bis heute die Schamröte ins Gesicht. Alles Unheil, das der Herr uns angedroht hat, ist über uns gekommen.“ Das ist das Erste und Einmalige im Umgang Israels mit einer solchen Katastrophe, diese Offenheit, die eigenen Fehler beim Namen zu nennen und nicht Gott oder irgendeinem Schicksal die Schuld zu geben.

Das Unglück des Exils, auch das Unglück einer Pandemie, ist nicht das, was Gott wollte. Er hat es auch nicht herbeigeführt wie eine Strafe. Aber er hat im rechten Moment einem Propheten die Gabe gegeben, es anzusehen als eine Anrede, als Frage nach der unterscheidenden Lebensweise nach der Weisung des Herrn, im Gottesvolk, also auch unter uns Christen, es zu sehen als unausweichliche Konsequenz der Irrwege seines Volkes. Was er will, ist die Umkehr seines Volkes: „Ihr wurdet verkauft an die Völker, doch nicht zur Ver­nichtung. … Habt Vertrauen, meine Kinder, schreit zu Gott! Denn er, der es ver­hängt hat, wird wieder an euch denken. Wie euer Sinn auf den Abfall von Gott gerichtet war, so zeigt nun zehnfachen Eifer, umzu­kehren und ihn zu suchen. Er, der über euch das Unheil gebracht hat, wird mit eurer Rettung euch ewige Freude bringen.“

 „Er, der das Unheil verhängt hat“, eine verkürzte, etwas missverständliche Formulierung, die im Wissen um den prophetischen Denk­horizont keine Schwierigkeiten bereitete, und sie meint etwas bleibend Gültiges: das Unheil nicht als blindes Schicksal zu sehen. Dann wäre ihm nur durch gezielte Maßnahmen zu be­gegnen, die uns Experten raten, so ist es eben die Möglichkeit der Welt. Aber wenn wir als Glaubende fragen: Was denkt sich wohl Gott dabei? dann kann es uns dazu bringen, „umzukehren und ihn zu suchen“, uns zu erinnern, welche Wege er sein Volk schon einmal gewiesen hat und die wir verlassen haben, Wege, die verhindert hätten, dass wir so tief in die Not hinein­geraten.

Die konkrete Rede der Prophetie

Johannes der Täufer zitiert die Verheißungen der Propheten, und das heutige Evangelium beginnt mit einer präzisen Datierung in seiner Gegenwart durch die Aufzählung aller politischen Größen seiner Zeit, um zu sagen: Bei diesen Verheißungen geht es nicht um irgendwelche weit zurückliegenden Ereignisse in der Geschichte, auch nicht um zeitlose Weisheiten, sondern in diese konkrete Gegenwart hinein sind sie gesprochen. Johannes hat das Volk wieder an den Jordan gerufen, an den Ort, wo es einmal über den Jordan in das neue Land einge­zogen ist, in dem es jetzt wieder lebt wie die anderen Völker. Es müsste, spürte er, noch einmal ganz neu durch den Jordan in das Land einziehen. Damit wurde er Wegbereiter für die endgültige Heim­führung Israels durch Jesus durch die Stiftung der Kirche, seiner Gemeinden, die nun ihrerseits auch immer wieder umkehren müssten, um nicht zu leben „wie die anderen Völker“.

1500 Jahre später schrieb Martin Luther eine Streitschrift mit dem Titel „Von der Baby­lonischen Gefangenschaft der Kirche“, um zu sagen: Es ist wieder aktuelle Gegenwart, was die Not Israels damals war, es ist wieder zur Not der Kirche seiner Zeit geworden. Es ge­lang ihm nicht, sie aus der Zerstreuung herauszu­führen, nur eine neue Spaltung wurde daraus.

Und genauso können auch wir uns heute darin wiederfinden. Die Not ist wieder die gleiche, dass wir weitgehend den Auftrag, Volk Gottes zu sein, das nach anderen Gesetzen lebt, vergessen, uns weit davon entfernt haben.

Dass so vieles, eben auch eine Pandemie, immer wieder Aufruf sein könnte uns zu sammeln, sammeln als Gemeinden, daran können wir denken; Gemeinden, die sich in einer Pandemie auch einmal für eine gewisse Zeit abschließen, isolieren könnten, ohne dass das den Einzelnen oder eine Kleinstfamilie gleich in tödliche Vereinsamung stürzen würde. … In den Pestepidemien wurde den Juden das ihnen aufge­zwungene Leben in den Ghettos zusammen mit den Hygienevorschriften der Tora zur Rettung, zu überleben, ohne sich zu infizieren.

Die Suche aus Glauben nach einem stimmigen Verhalten

Wir können heute an den von Politikern propagierten Gedanken einer Impfpflicht denken, der ein Unbehagen hinterlässt, dass man Menschen damit nicht gerecht würde. Die Kirche in unserem Bistum schlägt einen etwas anderen Weg ein und hält in der neuen Infek­tionsschutz­verordnung eigens fest: „Niemand darf wegen seines Impf- oder Genesenen­status vom Besuch eines Gottesdienstes ausge­schlossen werden.“ Gottesdienste mit Zugangsbe­schränkungen und dann gelockerten Ab­standsregeln darf es nur als Ausnahme geben. Aber in einer Gemeinde, wo man einander kennt, wäre doch eine gemein­same Willensbildung vor­stellbar, so dass man sagt: Wir lassen uns impfen. Aber zugleich kennt man auch den Einzelnen, der sich dem vielleicht nicht anschließen will, wegen bestimmter Lebensumstände oder wegen Krankheiten, und kommt in ein Gespräch darüber. So könnte man auch konkrete Lösungen finden, diesen Personen gerecht zu werden. In einer großen Pfarrei ist es nicht möglich, so etwas über die Köpfe hinweg zu beschließen, auf der Ebene eines Staates schon gar nicht. – Diese Sätze jetzt sind ein Versuch von Überlegungen, ein Suchen, Gedanken, wie das konkret aussehen könnte: umkehren zu den Wegen Gottes.

Gott will sein Volk, uns, nicht in dem Elend lassen, in das wir uns begeben haben, sondern er wirbt um uns: „Warum, Israel“, hören wir von Baruch, „warum lebst du im Gebiet der Feinde, bist unrein ge­worden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unter­welt hin­absteigen? … Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. … Gott bringt sie heim zu dir. … Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, so dass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß.“ Auch die Natur, will das Bild sagen, wird dann den Menschen nicht mehr bedrohend gegenüberstehen; damals war es ein Werben um die Rückkehr und den Wiederaufbau Jerusalems.

Ja, die Worte Baruchs gelten auch uns, denn wir sind das Volk, das nach Paulus dem Weg Israels hinzugefügt ist, das sich Gott gleichsam noch dazu gesammelt hat, damit es seine Liebe und Macht bezeuge, nicht mit Worten, sondern indem es vorlebt, wie unser Leben, wie unsere Welt geheilt werden kann.

© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf

Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 16

Gegenteilige Botschaften der biblischen Schriften? Unsere Lesungen vom Propheten Jeremia und aus dem Lukasevangelium beinhalten zwei Verheißungen, die ziemlich gegensätzlich erscheinen: Jeremia verheißt eine Zeit von Recht und Gerechtigkeit, eine Zeit des Heils, während Lukas von vielfältigen Katastrophen spricht, die bevorstehen. Wie soll man sich das vorstellen: Kommt Friede oder Chaos? Oder zunächst Chaos, dann […]

Gegenteilige Botschaften der biblischen Schriften?

Unsere Lesungen vom Propheten Jeremia und aus dem Lukasevangelium beinhalten zwei Verheißungen, die ziemlich gegensätzlich erscheinen: Jeremia verheißt eine Zeit von Recht und Gerechtigkeit, eine Zeit des Heils, während Lukas von vielfältigen Katastrophen spricht, die bevorstehen. Wie soll man sich das vorstellen: Kommt Friede oder Chaos? Oder zunächst Chaos, dann Frieden, und das immer wieder?

Die Zeit: Friede oder Chaos

Wie schon an den vergangenen zwei Sonntagen, atmen auch diese Texte apokalyptische Luft. Dahinter steht eine in der Antike verbreitete Sichtweise über den Verlauf der Geschichte und die Abfolge der Weltzeiten. Demnach ist im Schicksal von Reichen und Herrschaften ein Gefälle zu beobachten: Das friedliche und üppige „goldene“ Zeitalter fängt irgendwann zu bröckeln an und wird von minderwertigeren, immer schlechteren Zeiten abgelöst: Auf eine silberne Zeit folgt eine eherne, und auf diese schließlich die tönerne Zeit; alles wird instabiler, chaotischer, und Katastrophen
erschüttern das Bisherige; Zerfall und Absturz, die Geschichte ist ein Verfall.
Bis dann irgendwann durch den totalen Untergang der Weg für einen Neuanfang bereitet wird und wieder die goldene Zeit beginnt. Der Beobachter befindet sich meistens inmitten des größten Chaos und er hält Ausschau nach den Zeichen der Wende. Man hat dies oft als eine ewige Wiederkehr betrachtet: Die Katastrophen der gegenwärtigen Zeit sind Zeichen der bald kommenden Neuen Welt.
Das Judentum hat diese Auffassung über die Weltzeitalter kritisch weiterentwickelt, denn dort hat immer schon die unwiederholbare lineare Zeit eine zentrale Rolle gespielt, die von einem Anfang, der Erschaffung durch Gott, bis zu einem Ziel, der Ankunft bei Gott reicht. Dazu gehört auch die Verheißung, dass die Wellenbewegung von Frieden und Krieg, Ruhe und Chaos, Sicherheit und Katastrophen eines Tages durch Gottes Eingreifen zur Ruhe und zum Frieden kommen wird.

Die Rede vom „Menschensohn“

Jesus revolutioniert aber diese Art der Geschichtsauffassung auf seine Weise. Er bleibt zwar ganz in den Fußstapfen der prophetischen Verheißungen, deutet sie aber radikal und bis heute überraschend neu. Einen Schlüssel dazu liefert das Bild des Menschensohnes. Dieses Bild stammt vom Buch Daniel, das gerne apokalyptische Texte zitiert. Wenn man die Figur des Menschensohnes näher betrachtet, lassen sich einige wichtige Elemente wahrnehmen:

  1. Der Menschensohn „kommt in den Wolken“ – ein Bild dafür, dass er von Gott her, aus der himmlischen Sphäre stammt und nicht aus der naturgegebenen Fähigkeit der Menschheit.
  2. Er ist aber ein Mensch, fast möchte man sagen: „nur ein Mensch“. Die anderen Reiche, die die Welt beherrschen, werden in solchen Texten als schreckliche Tiergestalten, wie Bestien dargestellt. Denen gegenüber erscheint der „Menschensohn“ geradezu als zart und schwach, ohne besondere Ausrüstung, aber mit der Feinheit und Würde eines Menschen; ein Repräsentant des Humanen.
  3. Das Menschliche an ihm ist nicht bloß das Allgemein-Menschliche: Jeremia nennt ihn den „Spross Davids“. Das ist wichtig, da dieser Mensch, der von Gott kommt, nicht „vom Himmel fällt“, sondern aus einer menschlichen Geschichte hervorgeht, nämlich aus der Geschichte Israels. Das ist seine Chance, dem schmalen Faden zu folgen, der von Gott initiiert und ständig begleitet wurde, damit nach einer langen Reife ein Sohn von Menschen zugleich ohne Einschränkung Sohn Gottes genannt werden kann.
  4. Im apokalyptischen Bild kommt der Menschensohn allerdings „mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (dynamis und doxa), mit „Macht und Ehre“ könnte man das auch übersetzen. Das sind göttliche Attribute, Widerschein Gottes, der an ihm aufleuchtet. Das macht ihn zu einem Menschensohn, der nicht bloß aus der Erde, sondern zugleich vom Himmel kommt.

Das jesuanische „Heute“

Aber eben kein „Superman“! Was ist denn dann seine Kraft und Herrlichkeit?
Wieder werden wir bei Jeremia fündig: „Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken“ – steht dort. Eine andere Ausrüstung hat er nicht. „Gerechtigkeit“ ist die praktische Seite der Wahrheit; und „Wahrheit“ ist das einzige, was den Menschen frei macht, sagt Jesus. Der Prozess, wie in uns und unter uns Sicherheit entstehen und die Angst vergehen kann, hängt mit dieser Wahrheit und Gerechtigkeit zusammen, die Mensch und Gott miteinander verbindet.

Die Revolution Jesu besteht darin, dass er die Erwartung der Erfüllung nicht mehr verschiebt: Diese Erwartung begann mit einem „eines Tages“, „es werden Tage kommen“; daraus wurde dann ein „bald“, „es steht schon vor der Tür“; jetzt geht Jesus noch einen Schritt weiter und macht daraus ein „Jetzt“, „Heute“. Er sagt sinngemäß: Euch darf das Ende nicht „plötzlich überraschen“, denn ihr kennt es bereits, ihr lebt darin und davon.

Paulus sagt es in der Lesung noch klarer: „Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so.“ Er warnt aber vor zwei Dingen, die die gläubige und nüchterne Gelassenheit gefährden: der Rausch und die Sorgen des Alltags. Durch Alkohol oder sonstige Drogen möchte man vor der bedrückenden Realität fliehen – vor der eigenen oder der allgemeinen; man macht sich blind, damit man die Katastrophen nicht sieht. Anders, aber ähnlich blind können uns auch die „Sorgen des Alltags“ machen: Im Griechischen steht „biotikos“, alles, was das biologische Leben ausmacht, das kann uns vollständig in Beschlag nehmen und auch ängstigen, wie man es zu Pandemie-Zeiten besonders gut beobachten kann. Unser Leben ist aber viel mehr, tiefer, höher und breiter als die täglichen Sorgen um Gesundheit und Wohlergehen. Unser Leben ist nämlich heute schon verankert in der Ewigkeit und mit dem Himmel verbunden: Von Gott geliebt zu sein, gewürdigt zu ein, sein Wollen für diese Welt zu verstehen – und so ist unser Glaube – gibt unserem Leben eine andere Mitte als Katastrophenangst.

Liebe ist eben immer „heute“ – oder sie ist noch nicht oder schon vorbei.
Unsere Berufung ist, auch speziell für die kommende Zeit, diese Fülle des Lebens wahrzunehmen und einzuholen.
Darin liegt unser Friede, dass wir das Haupt erheben dürfen, mögen auch um uns herum und vielleicht sogar in und an uns selber Katastrophen passieren:  Denn wir sind nicht verwaist, es ist uns, wie das jüdische Denken und Glauben es schon weiß, in allem eine „gute Weisung Gottes“ gegeben.

Jeremia 33,14-16; 1 Thessalonicher 3,12-4,2; Lukas 21,25-36 gekürzt
1. Adventsonntag, Lesejahr C
© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

„Es gibt ein jüdisches Aroma in dem, was die Christen sagen“

Eine Erinnerung an Vilém Flusser (1920–1991) (Redaktionelle Zusammenstellung Angelika Matzka) Am 27. November 2021 ist es 30 Jahre her, dass der tschechisch-brasilianische Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler Vilém Flusser an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb. Er war 1991 – zum ersten Mal seit seiner Flucht aus Prag 1939 – zu einem Vortrag an der Universität Prag eingeladen. […]

Eine Erinnerung an Vilém Flusser (1920–1991)

(Redaktionelle Zusammenstellung Angelika Matzka)

Am 27. November 2021 ist es 30 Jahre her, dass der tschechisch-brasilianische Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler Vilém Flusser an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb. Er war 1991 – zum ersten Mal seit seiner Flucht aus Prag 1939 – zu einem Vortrag an der Universität Prag eingeladen. Auf der Rückreise kurz vor der tschechisch-deutschen Grenze ereignete sich der Unfall. Informationen zu seiner Person und seiner wissenschaftlichen Arbeit finden sich reichlich im Internet.

Im Jahr 2000 erschien auf Deutsch ein Band mit verschiedenen kürzeren Texten (neu aufgelegt 2014 bei der Europäischen Verlagsanstalt). Darin sind auch drei bis dahin unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass enthalten, die dem Buch den Namen gaben: „Jude sein“. 1

Flusser reflektiert in ihnen das Thema in drei Aspekten: dem existentiellen, dem kulturellen und dem religiösen (auch wenn er selbst keineswegs religiös war). Obwohl er selbst nicht als jüdischer Philosoph verstanden werden wollte, kam er um die Tatsache seines Judeseins nicht herum. Das zeigt sich in diesem Büchlein auf vielerlei Weise.

Jüdisches Denken gibt es nicht als „das jüdische Denken“. Trotzdem öffnen sich in den Texten dieses Büchleins viele Fenster auf Wesenszüge jüdischen Denkens, die bewusst machen, wie wenig in der Kirche dieser andere Blick auf die Welt und die Gegebenheiten des Lebens bekannt ist. Bisher nicht bemerkte Zusammenhänge und neue Gedankengänge laden ein, die Verbindung zwischen Judentum und Christentum anders als bisher zu denken.

*  *  *  *  *

Zum existentiellen Aspekt

„Um frei zu sein, müssen die Bedingungen, die die Existenz bestimmen, angenommen werden, damit sie später überholt werden können.“ (1/57)

Die Bedingungen annehmen, das bedeutet:
„Es genügt nicht festzustellen, dass ich Jude bin, dass ich mich als Juden annehme, um die damit verbundene Bedingung zu überholen. Es setzt voraus, dass ich diese Bedingung, mit allem, was in ihr fruchtbar und begeisternd ist, mit allem, was alltäglich ist, erlebe und dass ich zugebe, dass alle meine inneren wie äußeren Erfahrungen, meine Wünsche, Werte, jede Kenntnis und alle Gesten von dieser Bedingung geprägt sind.“ (1/59)

Flusser versteht sich selbst als assimilierten Juden.
„Ich wurde in die Welt als ein Jude geworfen, der sich nicht ganz als Jude annehmen kann. Sollte ich mich als Jude identifizieren, würde ich verschiedene Bedingungen meiner Existenz, die dem Judesein widersprechen, verraten. Sollte ich jedoch mein Judesein verneinen, würde ich eines der Elemente meines In-der-Weltseins verraten. … Ich werde nur dann authentisch leben können, sollte mir gelingen, einander widersprechende Bedingungen auf das Niveau einer Synthese zu heben.“ (1/61)

Zum kulturellen Aspekt

Hier geht Flusser von der Situation der in der westlichen Welt geborenen und aufgewachsenen Juden aus, die
„etwas anders westlich [sind] als die anderen, die auch an unserer Kultur teilnehmen. …
Unsere Kultur ist ihrem Wesen nach griechisch und jüdisch. Ihre Mythen sind jüdisch und griechisch, ihr In-der-Welt-sein, die Art, wie von ihr die Welt angesehen, erlebt, empfunden und behandelt wird, ist griechisch und jüdisch. … Die zwei westlichen Erbschaften sind miteinander nicht kompatibel, Die Griechen leben und denken »essentiell« und die Juden »existentiell«.“
(2/67)

Diesen markanten Unterschied führt Flusser exemplarisch aus:
„»Gerechtigkeit« z. B. heißt bei den Griechen »dike« und bedeutet das Gleichgewicht zwischen Extremen. Bei den Juden heißt Gerechtigkeit »Tsedaka«: Sieg des Guten über das Böse. … »Wahrheit« (»aletheia«) ist für die Griechen das objektive Enthüllen des Seins; für die Juden ist sie die intersubjektive Enthüllung des Ewigen (»Emet«). … Für die griechische Anthropologie sind Ideen die Heimat des Menschen, und der Mensch ist essentiell a-historisch. Für die jüdische Anthropologie ist der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen worden, um die Welt zu regieren, und infolgedessen ist er historisch. Die beiden Anthropologien sind nicht zu vereinbaren. …
In der Geschichte des Westens ist es zu verschiedenen Synthesen der beiden Kulturen gekommen: Das Beispiel mit der größten Evidenz ist das Christentum. … Sobald eine der beiden Kulturen die Vorherrschaft übernimmt, begehrt die andere unweigerlich auf. So lässt sich die Reformation als Aufbegehren des Judentums gegen die aristotelische Hellenisierung der Kirche ansehen und der zeitgenössische strukturalistische Formalismus als Aufbegehren des Hellenismus gegen das jüdische historische Denken. Die Geschichte des Westens ist der dialektische Kampf zwischen seinen beiden Erbschaften. …
Wenn wir unsere Kultur retten wollen, müssen wir sie annehmen, und das ist eine moralisch wie existentiell zweifelhafte Aufgabe. Wer weiß, ob unsere Kultur in Anbetracht der begangenen Verbrechen (der Versklavung der Schwarzen, des Nazismus usw.) und des Widerspruchs in ihrer Weltanschauung gerettet zu werden verdient. Solche Überlegungen sind theoretisch, denn als westliche Menschen sind wir am Überleben des Westens durch und durch interessiert. Wir würden zusammen mit ihm sterben.“
(2/68 f.)

„Als westliche Menschen des 20. Jahrhunderts sind wir Juden Opfer der gleichen inneren Widersprüche wie alle anderen, die an der westlichen Kultur teilnehmen … Der Unterschied zwischen uns Juden und den anderen Okzidentalen aber besteht darin, dass wir direkte Verbindung zu den Wurzeln unserer Kultur haben. Wir können noch in unserem Innern das existentielle Klima des ursprünglichen Judentums erleben, nicht aber dasjenige des Hellenismus.
Diese Fähigkeit, sich erinnern zu können (hebräisch „Zekher“), ist in den Augen der anderen Okzidentalen ein Skandal. … Dieser Skandal scheint eine der Erklärungen für den Antisemitismus zu sein. Es ist doch skandalös, dass die Juden nicht wie die Griechen verschwunden sind. Dazu kommt noch die Tatsache, dass Jesus, der Gründer des Westens, Jude war …“
(2/70)

„Unsere Rolle innerhalb des Westens besteht darin, Zeugnis abzulegen von dem, was leichtfertig »jüdische Werte« genannt wird. … Im Unterschied zu den griechischen bestehen die jüdischen Werte meistens aus Modellen für das konkrete Verhalten. Sie werden von den anderen, irrtümlicherweise und mit Verachtung, »Riten« genannt. … Es ist sehr wichtig, nicht zu vergessen, dass das ursprüngliche Judentum eine Summe konkreter Modelle für ein Verhalten ist, das dem absurden Leben Bedeutung verleiht.“ (2/70 f.)

Verhaltensmodelle sind aber anstößig, weil sie sagen: So soll etwas sein. Und damit auch zeigen, dass es so sein kann, ja sogar sein müsste. Das macht sie zum Ärgernis, zur Provokation. Aber:
„Sollten wir aus Angst vor einer Provokation auf das Engagement verzichten, würden wir weder als Juden noch als Menschen überhaupt leben.“ (2/72)

Zum religiösen Aspekt

Der dritte Text ist für Christen vielleicht der brisanteste. Flussers Zugang ist in gewisser Weise unbekümmert, da er selbst nicht religiös war. Zugleich war ihm das Christentum, das ein Ursprungspunkt und integraler Bestandteil der Geschichte der westlichen Welt ist, gut bekannt. Seine Überlegungen spiegeln, was er vom Christentum wahrgenommen hat. Stoff zum Nachdenken legt er da reichlich vor.

„Für die Christenist das Judentum sowohl durch seine innere Dialektik – nämlich durch Jesus und jene, die ihm folgten – als auch durch eine äußere Dialektik – durch das Absorbieren gewisser hellenistischer Elemente – überholt worden. Vom christlichen Standpunkt aus ist nicht zu verstehen, warum sich das Judentum im Christentum nicht aufgelöst hat. Die Juden hätten die ersten sein sollen, die sich zum Christentum bekehrten, und viele haben es tatsächlich auch getan. Dass andere hartnäckig darauf bestanden, es trotz Autodafés nicht zu tun, ist für die Christen ein Skandal und eine der Wurzeln des Antisemitismus. … Es gibt tatsächlich die Frage: Warum haben die Juden sich nicht bekehrt?“ (3/81)

Dabei geht es Flusser nicht so sehr um die Frage, ob es eine existentielle Berechtigung für die Ablehnung der Bekehrung gibt und deshalb das viele Leid, das Juden daraufhin zugefügt wurde, gerechtfertigt wäre. Für ihn geht es vor allem darum, ob es eine religiöse Rechtfertigung für den ablehnenden Standpunkt gibt, weil diese Frage nicht nur das Judentum betrifft, sondern letztlich die ganze Welt, so weit sie auf dem Judentum basiert (also mehrheitlich christliche bzw. muslimische Länder).

„Die christlichen Argumente zugunsten der Konversion sind stark. Das Christentum ist effektiv die Überholung des Judentums, weil es viele Aspekte, die im Judentum nur angedeutet sind, artikuliert. Es ist die Überholung des Judentums, weil Jesus, der Gründer des Christentums, tatsächlich ein perfekter Jude ist, und es überholt das Judentum, indem es seine Bedeutung in der Welt verbreitet und den Westen dadurch erobert. Was die Juden selbst betrifft, so haben die christlichen Argumente versagt, weil sie die Essenz des Judentums nicht erfassen. Das Judentum ist als Religion weder eine Summe von Glaubensartikeln, wie es die Christen verstehen, noch eine Summe von Regeln, wie es viele Juden glauben, sondern das Judentum ist ein ganz spezifisches Erleben des Heiligen. Seinem Wesen nach ist es weder eine Weltanschauung noch eine Moral, sondern es ist die Konfrontation mit dem Anderen. … Die christlichen Argumente aber berühren nicht das, was die Juden interessiert: Wie hat man in der Gegenwart des Anderen zu leben?
Die christlichen Argumente beweisen den Juden, dass die Christen Heiden sind und dass sie vom Judentum wenig behalten haben. Es gibt ein jüdisches Aroma in dem, was die Christen sagen, und deshalb ist ein Dialog möglich, doch hat sich das Aroma schon derart verflüchtigt, dass es fast zu einer Karikatur geworden ist.“
(3/82 f.)

Aus dem Folgenden ergibt sich, dass die Ursache dieser Aroma-Verflüchtigung an der inadäquaten Praxis liegt. Die Frage, wie man in der Gegenwart des Anderen zu leben habe, meint nicht ein unter Christen des Öfteren zu hörendes Postulat, im Nächsten Jesus zu sehen. Der Nächste ist nicht Jesus. Er ist der Andere, der von Gott als sein Bild geschaffen ist – Flusser spricht vom „spezifischen Erleben des Heiligen“ . So entsteht eine Erkenntnisweise, bei der jede Begegnung mit einem Anderen über einen selbst hinausführt und den Ursprung erinnert.

„Frommer Jude zu sein ist eine Aufgabe. Es ist, in griechischen Begriffen ausgedrückt, kein Dogma, sondern eine Praxis.
Deswegen haben sich die Juden so hartnäckig gegen eine Bekehrung gewehrt. Sie haben das Christentum seiner Praxis wegen verurteilt, und nicht der Argumente wegen, die ihnen unwesentlich zu sein schienen. … Den Juden kommt das Christentum wie eine Lizenz vor, der täglichen Konfrontation mit dem Heiligen zu entgehen … Mit den Worten meines Cousins David
2 während eines theologischen Seminars: »Glaubt ihr, dass Jesus den unwürdigen Tod am Holz erlitten hat, damit ihr mit dem Autofahren den Sabbat entheiligen könnt?« In der heutigen religiösen Situation, in der sogar die Fundamente der jüdisch-christlichen Religion bedroht sind, ist dies von allergrößter Bedeutung.  …
Obwohl die christlichen Argumente die Juden nicht bekehrt haben, haben sie unglücklicherweise die Gestalt von Jesus, den allergrößten Juden, der die normale Bedingung eines Menschen überholt hat, dem Judentum entfremdet. Die Folgen sind unabsehbar.“
(3/83 f.)

Flussers Überlegungen sind über 30 Jahre alt, die westliche Welt, auf die er sich bezog, trug schon in sich, was sich seither auf vielerlei Weise verschärft hat. Das Potential des Judentums sieht er positiv darin, dass es
„zu einem verantwortungsvollen Leben in einer absurden Welt führen [kann], mit der Anerkennung des Heiligen im anderen Menschen.
Die Bedeutung eines solchen, schwer zu beschreibenden jüdischen Fundamentalismus kann in der heutigen Situation nicht genug betont werden.“
(3/85)

Aus seiner Analyse der Zeit ergibt sich für Flusser, dass offenbar der Boden von Judentum und Christentum der gleiche ist. Nur sei er im Judentum „noch verschütteter“ .
Die Krise der westlichen Religiosität sieht er

„in unserer Unfähigkeit, Gott im anderen Menschen zu erleben. Es ist die Krise des Vertrauens in den Menschen. Gott ist tot, weil wir weder dem anderen Menschen noch uns selbst trauen.“ (3/85)

Flussers Sicht ergibt sich aus dem, was ihm in der westlichen Gesellschaft begegnet – und er formuliert sie im Blick auf den biblischen Schöpfungsbericht, wo es heißt: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie“ (Gen 1;27). Er fährt fort:
„Es handelt sich um eine Krise weder des Judentums noch des Christentums, sondern des Juden-Christentums. …
Ich glaube, dass dasjenige, was unsere Kultur von den anderen unterscheidet, eben dieses Erlebnis des Heiligen im Menschen ist. Wir können das auf mindestens zwei Arten ausdrücken. Entweder Gott ist als Mensch erlebbar, als ein anderer, der zu uns »du« sagt und den wir genauso ansprechen, oder der Mensch ist das einzige Bild Gottes, das wir besitzen. Es handelt sich … um die auf dem Heiligen basierende Anthropologie, die älteste jüdische Erbschaft des Westens.“
(3/85 f.)

Es ist diese Erbschaft, die Flusser in Gefahr sah. Würde der Westen von anderen Kulturen überrollt, wäre der oben genannte gleiche Boden verloren. Deshalb sein deutlicher Appell:
„Heute ein religiöser Jude zu sein, bedeutet meiner Meinung nach, diesen jüdisch-christlichen Boden sich selbst und anderen Juden und Christen bewusst zu machen.“ (3/86)


1 V. F., Jude sein. Essays, Briefe, Fiktionen. CEP Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2014. Darin:
Jude sein (1) – existentieller Aspekt;
Jude sein (2) – kultureller Aspekt;
Jude sein (3) – religiöser Aspekt.
Die Seitenangaben nach den Zitaten geben den Textbeitrag und die Seite an, z. B. (1/57).

2 David Gustav Flusser (1917–2000) war bis 1988 Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem für jüdische Geistesgeschichte, Urchristentum und antike Religion.