In der Kirchenkrise spielt Gott nur eine Rolle am Rande

Ein Text aus der NZZ von Bernhard Meuser Deutschlands katholische Bischöfe proben den Paradigmenwechsel. Bei Luther noch stand der sündige Mensch vor der Frage nach dem gnädigen Gott. Aber jetzt steht eine korrumpierte Kirche vor der Frage nach dem gnädigen Publikum.

Ein Text aus der NZZ von Bernhard Meuser

Deutschlands katholische Bischöfe proben den Paradigmenwechsel. Bei Luther noch stand der sündige Mensch vor der Frage nach dem gnädigen Gott. Aber jetzt steht eine korrumpierte Kirche vor der Frage nach dem gnädigen Publikum.

Bildbetrachtung 14: Aus gebotenem Anlass oder Ist der Bannfluch gegen Amalek heute noch aktuell?

Einer kleinen Miniatur zum Bericht über den Kampf Israels gegen die Amalekiter im Buch Exodus gilt diesmal die Aufmerksamkeit von Bruno Alber. Der entsprechende Wochenabschnitt der jüdischen Leseordnung fiel nämlich zeitlich ziemlich genau mit der Präsentation des Münchener Missbrauchsgutachtens einer Anwaltskanzlei zusammen. Es zeigen sich aktuelle Aspekte.

Einer kleinen Miniatur zum Bericht über den Kampf Israels gegen die Amalekiter im Buch Exodus gilt diesmal die Aufmerksamkeit von Bruno Alber. Der entsprechende Wochenabschnitt der jüdischen Leseordnung fiel nämlich zeitlich ziemlich genau mit der Präsentation des Münchener Missbrauchsgutachtens einer Anwaltskanzlei zusammen. Es zeigen sich aktuelle Aspekte.

Konkordat, Kirche und Geld

Von Bernhard Anderl Eine Buchvorstellung anhand einer Leseprobe (ISBN der broschierten Ausgabe: 978-3-643-15080-6 (LIT Verlag, 2022, Reihe: KirchenZukunft konkret, Bd. 16) Umschlagtext des Verlages:Durch eine Verknüpfung günstiger politischer Umstände hat die Katholische Kirche in Deutschland in den 200 Jahren seit der Säkularisation eine privilegierte Stellung erreicht. Den hohen Einnahmen durch die staatlich eingetriebene Kirchensteuer steht […]

Von Bernhard Anderl

Eine Buchvorstellung anhand einer Leseprobe

(ISBN der broschierten Ausgabe: 978-3-643-15080-6 (LIT Verlag, 2022, Reihe: KirchenZukunft konkret, Bd. 16)

Umschlagtext des Verlages:
Durch eine Verknüpfung günstiger politischer Umstände hat die Katholische Kirche in Deutschland in den 200 Jahren seit der Säkularisation eine privilegierte Stellung erreicht. Den hohen Einnahmen durch die staatlich eingetriebene Kirchensteuer steht ein innerer Niedergang gegenüber. Grundlage jeglicher Reform kann nur der Fall des derzeitigen Systems sein und das Suchen einer Finanzierung, die der Freiwilligkeit des Gebens durch die Gläubigen wieder Geltung verschafft. Auch für die von den Bundesländern finanzierte, aber in sich ortlose Hochschultheologie sind neue kirchliche Wege zu suchen.

Bernhard Anderl, geb. 1945, Bauingenieur, Dr.-Ing. in Hydrologie, Planungen, Bauleitung, Theologie, 1989 Priester, Leitung Entwicklungsprojekte in Tansania

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7.4 Gefangen in finanzieller und institutioneller Abhängigkeit

Die steigenden Austrittszahlen aus der katholischen Kirche zeigen im Wesentlichen eine Entfremdung und Nicht-Mehr-Übereinstimmung mit der Lehre und der Praxis der Weltkirche, also ein Glaubensproblem. So wird das Einsparen des hohen Kirchensteuerbeitrags oft der endgültige Auslöser für den Austritt. Papst Franziskus hat deshalb schon mehrfach an die deutschen Bischöfe appelliert, den Schwerpunkt auf die Neuevangelisierung zu legen statt auf die Änderungen der Struktur, um die Wahrheiten des Glaubens wieder verständlich zu machen.

Demgegenüber geht die Mehrheitsmeinung der tonangebenden Gremien in Deutschland in eine ganz andere Richtung:

Sie besagt, dass die Kirche dringend die Neuerungen der Zeit, wie Gendergerechtigkeit, Liberalisierung der Ehemoral, Weihe von Frauen usw. übernehmen muss, so wie es der „Synodale Weg“ derzeit fordert. Außerdem muss jede Art von Missbrauch durch kompromisslose Offenlegung, oft ohne Rücksicht auf juristischen Schutz des Persönlichkeitsrechts und ohne genaue Prüfung der Aussagen, gebrandmarkt werden. Jede andere Meinung wird als fundamentalistisch und rückwärtsgewandt bezeichnet. Mit etwas Nachdenken kann man nichts anderes schließen, als dass das Erreichen dieses Ziels die katholische Kirche mit der publizistisch dominierenden öffentlichen Meinung verschmelzen würde und damit eventuelle Reibungspunkte geringer würden. Diese Entwicklung wurde, wie vorher erläutert, schon lange an den katholischen Fakultäten eingeleitet und hat auch die Führungsebene in der Bischofskonferenz (DBK) und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erreicht, die mit dieser einseitigen Theologie aufgewachsen sind.

Anschließend an diese grundlegenden Änderungen – wenn sie denn erfolgt wären – würde sich allerdings die Frage stellen, für was die katholische Kirche noch benötigt wird, wenn sie dieselben Ziele vertritt wie die säkulare Mehrheitsgesellschaft und wenn sie dann noch einige Inhalte und Strukturformen übernimmt, die es in den evangelischen Landeskirchen schon lange gibt. Da diese „reformierte“ Kirche dann immer noch hohe Ausgaben für das pastorale Personal sowie für die in den Verbandsgremien vertretenen Funktionäre hätte, also vom Kirchenmitglied hohe Kirchensteuern verlangen müsste und auch keine neue Vertiefung des Glaubens mit sich bringen würde, könnte durch diese Entwicklung der Schwund der Mitglieder der Kirche voraussichtlich nicht aufgehalten werden.

[…]

An den theologischen Fakultäten sind die Folgen dieser Entwicklung schon gut zu beobachten, denn die Studentenzahlen gehen, trotz progressiver Professorinnen und Professoren (oder wegen ihnen?) immer mehr zurück. Es ist zu befürchten, dass die diözesane Priesterausbildung unter den vorherrschenden säkularen Paradigmen bald vor dem Aus stehen wird. Sie wird nur noch gehalten von den Kandidaten der des Fundamentalismus verdächtigten neuen Gemeinschaften, einigen Spätberufenen und von wenigen Orden. Auch der Religionsunterricht in den Schulen wird immer häufiger durch das Fach Ethik ersetzt. Damit werden sich die möglichen Arbeits- und Planstellen für katholische Lehrer, Katecheten, Theologiedozenten und Professoren an den staatlichen Universitäten immer mehr verringern.

Bezeichnenderweise kommt die wichtigste und grundlegendste Frage der Struktur, nämlich die der Kirchensteuer, die vor allen anderen Änderungen liegen müsste, bei den Reformvorschlägen nicht vor. Sie wird als Reformprojekt nicht erwähnt. Das ist nur dadurch verständlich, dass durch ein Zurückfinden der Kirche zu ihrem eigentlichen Auftrag, mit engagierten Gläubigen eine echte Alternative zu leben, die Verwaltungsstrukturen nicht mehr in diesem Ausmaß notwendig wären, und so durch die stark verringerten Einnahmen die Machtfrage drastisch an Bedeutung verlieren würde. Wer möchte ein Amt ausüben, das schlecht bezahlt ist, wie z. B. in Italien oder Frankreich, und noch dazu keine öffentliche Ehre einbringt?

Ohne eine geistliche Rückbesinnung – mit ihren einschneidenden finanziellen Folgen – wird die Kirche bald nicht mehr führbar sein. […]

Der krampfhafte Versuch, mit der Entwicklung der öffentlichen Meinung mithalten zu können, hat schon seit einiger Zeit zu einer nicht mehr zu verbergenden Spaltung im Episkopat geführt. Manche beherrschen die Regeln sehr gut, andere geraten in das Kreuzfeuer des Enthüllungsjournalismus, was ihre innerkirchlichen Gegner wiederum geschickt, und mitunter recht massiv, ausnutzen. Für die Kirche entsteht ein immer größer werdender Schaden. Die nichtdeutsche kirchliche Welt beobachtet dieses Drama mit Erstaunen und Entsetzen. Sie schließt daraus, dass sich die katholische Kirche in Deutschland selbst auflöst, also keinesfalls ein nachahmenswertes Beispiel für die Welt sein kann.

Es ist für die Kirche dringend erforderlich, auf die angesammelten Privilegien baldmöglichst zu verzichten. Auch wenn es kaum jemand explizit sagt, steht das Geld bei fast allen Beziehungen innerhalb der Kirche und nach außen beherrschend im Hintergrund. Dagegen gibt es keine andere Hilfe, als das System der staatlichen Kirchensteuer abzuschaffen. Die endgültige Durchführung der Trennung zwischen katholischer Kirche und Staat ist im Interesse des Erhalts der Kirche in Deutschland unabdingbar. Wie im ersten Teil des Buches dargelegt, hat sich die Privilegierung der Kirche in Deutschland über zweihundert Jahre durch viele geschichtliche Gegebenheiten immer weiterentwickelt, sodass sie heute wie eine staatliche Wohlfahrtsorganisation aussieht und danach handelt. Sie muss so handeln, da sie sich durch die Konkordate und die nachfolgenden Vereinbarungen mit dem Staat daran gebunden hat, wobei das letzte, immer noch entscheidende Konkordat mit dem verbrecherischen Naziregime abgeschlossen wurde. Es ist eine ethisch-moralische Verpflichtung, dieses Konkordat von 1933 endlich durch einen neuen Vertrag außer Kraft zu setzen!

Judit und Maria – Gedanken anlässlich einer Wallfahrt

Tamás Czopf zeichnet in diesem Beitrag nach, dass Judit ein Vor-Bild, eine Präfiguration Mariens ist und bringt beide Frauen in Bezug zur Gesamtheit des Gottesvolkes.

Tamás Czopf zeichnet in diesem Beitrag nach, dass Judit ein Vor-Bild, eine Präfiguration Mariens ist und bringt beide Frauen in Bezug zur Gesamtheit des Gottesvolkes.

Reihe: Von den Juden und den Christen 4

Im vierten und letzten Beitrag dieser Reihe beschäftigt sich Arnold Stötzel mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Landverheißung an Abraham und dem heutigen Staat Israel. Im Letzten tut sich hier die Frage auf, was das Land ist.

Im vierten und letzten Beitrag dieser Reihe beschäftigt sich Arnold Stötzel mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Landverheißung an Abraham und dem heutigen Staat Israel. Im Letzten tut sich hier die Frage auf, was das Land ist.

Bildbetrachtung 13: Die vergessene Moderne oder Ein Passionsaltar erhält Kirchenasyl

Am Beispiel eines Passionstriptychons von Karl Caspar (1879–1956) reflektiert Bruno Alber das immer noch schwierige Verhältnis zwischen Kirche und moderner Kunst sowohl in ästhetischer als auch in historischer Sicht.

Am Beispiel eines Passionstriptychons von Karl Caspar (1879–1956) reflektiert Bruno Alber das immer noch schwierige Verhältnis zwischen Kirche und moderner Kunst sowohl in ästhetischer als auch in historischer Sicht.