Theologische Fragen aus biblischen Texten der Liturgie 27

A. Klärende Ereignisse zur Frage der Umkehr (von Tamás Czopf)
B. Grundkurs des Glaubens an den Sonntagen der Fastenzeit, 3. Lektion: Gott handelt, aber durch Menschen (von Konrad Wierzejewski)

(Beide Texte beziehen sich auf die Schriftlesungen des 3. Fastensonntags im Lesejahr C: Exodus 3,1-15 (gekürzt); 1 Korinther 10,1-12 (gekürzt); Lukas 13,1-9)

A. Klärende Ereignisse zur Frage der Umkehr
(von Tamás Czopf)

Diesmal schlägt Jesus im Evangelium einen Ton an, den wir, wenn überhaupt, lieber mit Johannes dem Täufer als mit einem sanften und friedfertigen Jesus verbinden möchten. Er ist aber höchstwahrscheinlich Original-Ton Jesu. Er konnte durchaus auch zornig und scharf sprechen. Nicht selten sind es Dinge, an denen wir gewöhnlich achtlos vorbeigehen, die Jesus ärgern. Diesmal reagiert er auf die neuesten Schreckensnachrichten aus den damaligen Medien über Katastrophen und Gräueltaten: Uns nicht näher bekannte Galiläer wurden von Pilatus brutal umgebracht, und ein eingestürzter Turm soll unschuldige Menschen unter sich begraben haben.

Es gibt zwei reflexartige Meinungen, die damals wie heute oft das willkommene und reizvolle Entsetzen begleiten und die in den Augen Jesu nicht bloß unnütz, sondern auch verzerrend und verdeckend sind und die deshalb von ihm kritisiert werden:

  1. Die erste ist die ebenso weit verbreitete wie zynische Auffassung, wer Unglück hat, sei selber daran schuld: jene Galiläer z.B. hätten Unruhe gestiftet, seien zu weit gegangen.
  2. Die zweite ist eine Spielart des Sündenbock-Syndroms, dass man durch eine Strafe, die andere trifft, sich selbst als entlastet sieht; ich bin ja nicht verwickelt. Dazu kommt während der Suche nach Verantwortlichen ein endloses Reflektieren und Auswalzen der Gründe und Umstände: Ja, der brutale Pilatus; die schlechten Bauherren oder die fahrlässigen Bauarbeiter des Turms usw.

Die Einsicht in die eigene Situation

Dieselben Phänomene können wir unter uns auch mit unseren Schreckensnachrichten unserer Zeit beobachten, sei es die Corona-Misere, der Ukraine-Krieg oder der Missbrauchs-Skandal.
Jesus bewegt aber etwas anderes: Das Unglück, das die anderen getroffen hat, soll alle zur Einsicht in die eigene Situation führen. Jeder ist betroffen, niemand ist von Sünde und Versäumnis frei, jeder bedarf der Korrektur und der Umkehr.
Jesus ringt um offene Ohren, um Aufmerksamkeit und einen Vertrauens-Vorschuss, damit er Zuhörer und Unterstützer findet. Unsere Weltsichten und Glaubenswelten sind aber gewöhnlich schon lückenlos zusammengetakelt, sodass wir nur noch Bestätigung und nicht Korrektur, Zustimmung und nicht Kritik suchen.
Wir sind gewohnt, ständig zu urteilen, die Schuld oder Unschuld zu verteilen – über uns und andere; dadurch verlieren wir aber den Blick auf etwas Wesentliches oder sogar auf das Wesentliche. Die Umkehr, zu der Jesus ruft, ist also zuerst die Überwindung der eigenen Unbarmherzigkeit, die durch das Unglück anderer sich entlasten will, und dann die Anerkennung der eigenen Erlösungsbedürftigkeit. Die Drohung, die Jesus ausspricht, unterstreicht den Ernst der Mahnung: Die Sünde tötet in einem sehr tiefen und ernsten Sinn, die Sünder sterben doch an ihren eigenen Untaten; die Idee, nur die anderen seien schuld, ist Gift. Aber ebenso wäre es Gift, die Sünder abzuschreiben und aufzugeben.

Der umgewendete Blick

Mit dem Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum dreht Jesus den Blick um: So nötig die Umkehr auch ist, so geduldig müssen die sein, die sie fordern. Der Zeitfaktor spielt eine große Rolle. Es muss eine letzte Frist geben, sonst wird alles immer so weitergehen. Aber solange sie währt, gibt es die Möglichkeit der Umkehr. Ja, sogar: Damit es die Umkehr gibt, wird die Zeit geschenkt und die Frist verlängert.
Jesus scheint nicht von den Katastrophen beunruhigt zu sein, weder vom menschengemachten Bösen noch vom natürlichen Übel. Er ist vielmehr durch die Behäbigkeit des Glauben-Wollens, die Halbherzigkeit des Umkehrwillens und das vorschnelle Aburteilen gelähmt.
Der Feigenbaum bringt keine Frucht – schon seit drei Jahren, wie es im Gleichnis heißt.
Es ist erstaunlich, dass mit diesem Gleichnis Jesus nicht den mahnenden Zeigefinger hoch und noch höher hält, sondern noch einmal den Blick wendet. Es wird nämlich nicht dem Feigenbaum gut zugeredet: „Streng dich jetzt bitte endlich an!“ Der Baum, das Gottesvolk, die Kirche, kann die Früchte nicht aus eigener Kraft bringen. Gefragt ist der Gärtner, der die Umstände so gestaltet, dass der von Natur aus gute Baum wieder die Früchte bringt.

Umkehr durch den Blick auf den uns so fremden Auftrag der Kirche

Die Ratzinger-Preisträgerin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Teilnehmerin beim Synodalen Weg, hat neulich ihre Erfahrungen im Rahmen eines Vortrags 1 zusammengefasst. Mit ihrem differenziert kritischen Blick sieht sie die alles entscheidende Frage der aktuellen deutschen kirchlichen Realität darin, wie wir über die Kirche und ihre Aufgabe denken. Ich zitiere aus ihren Worten, weil sie den Zustand der Unfruchtbarkeit und auch deren Heilung meines Erachtens präzise zum Ausdruck bringt:

Die Kirche sei dazu da, „die Brücke zu bauen vom Unvermögen des natürlichen Menschen zu den beunruhigenden Forderungen Christi […] Forderungen, die über jedes Menschenmaß hinausgehen […] dazu gehören die Verschärfungen der mosaischen Gebote, die Liebe zum Feind, die Drohung gegen den Reichtum […], aber auch die Wehrlosigkeit und Sorglosigkeit im Blick auf eine väterliche Hand. All das gipfelt in dem Gebot: vollkommen zu sein wie der himmlische Vater […] eine absurde Forderung, käme sie nicht aus dem Munde Jesu. […] Seit Pfingsten, seit ihrer Geburt greift die Kirche das Unmögliche an. In der Vitalität, die zwischen Jesus und der Kirche schwingt, vibriert der Geist zwischen dem Unmöglichen und der schrittweise versuchten Umsetzung ins Mögliche. Dazu hat die Kirche die Gegenwart Jesu in den Sakramenten verbrieft. Dazu hat sie die Vollmacht, zu binden, zu lösen, zu richten, freizusprechen. Mühsam und in lächerlich kleinen Schritten vermittelt sie das Ungeheure. […] Die Behauptung, Kirche sei überhaupt ein unmenschliches System, zerstört die Möglichkeit dieser kleinen und unvollständigen Schritte, sie zerstört auch die notwendigen Reinigungen.[…]
Kirche umfasst alles, was die Welt nicht versteht: die uferlose Vergebung, die Gerechtigkeit, die Tiefen Gottes, und diese soll sie verwalten. Also hält sie die Macht Gottes in Händen; diese Hände sind unsicher, wenn nicht vom Verrat gekennzeichnet, leider. Aber aufgetragen ist ihr, Tote zu erwecken: die unschuldig in ihrer Seele Getöteten, aber auch die Mörder zu erwecken.“

Soweit eine der klarsten Stimmen der deutschsprachigen katholischen Gegenwart.

Zurück zum Feigenbaum:

Die kurze Geschichte von seiner Unfruchtbarkeit vermittelt letztlich eine überraschend gute Botschaft: Es gibt neben dem Herrn des Weinbergs auch noch den Gärtner, der verspricht, sich um den Baum zu kümmern. Der Gärtner ist der Hauptakteur in diesem Gleichnis, auf ihn kommt es jetzt an. Aus dem Zusammenhang der anderen Gleichnisse ist klar, dass sich Jesus als diesen Gärtner versteht und dass jetzt, durch sein Wirken, die notwendigen Gartenarbeiten laufen; jetzt läuft die Frist noch, das Jahr, das der Herr ihm zusichert und das dem Baum eine neue Chance gibt.
Unsere Aufgabe, wenn wir unser Feigenbaum-Dasein und unsere Unfruchtbarkeit annehmen, ist bloß, der Arbeit des Gärtners Raum zu geben, das Umgraben und Düngen zuzulassen und der Jahresfrist nicht entgegenzuwirken.


1 Vortrag „Darum geht es beim Synodalen Weg wirklich“ vom 21. Januar 2022 an der Hochschule Heiligenkreuz, Österreich, in voller Länge nachzuhören bei Youtube.

© Dr. Tamás Czopf, Pfarreiengemeinschaft Starnberg

B. Grundkurs des Glaubens an den Sonntagen der Fastenzeit, 3. Lektion:
Gott handelt, aber durch Menschen
(von Konrad Wierzejewski)

Jetzt haben wir in dem vorösterlichen Grundkurs des Glaubens die dritte Lektion erreicht. Am letzten Sonntag haben wir gehört, wie Gott Abraham herausgerufen und mit ihm einen Bund geschlossen hat. Wie geschieht es jetzt, dass Gott seine Verheißungen erfüllt? Das ist das Thema dieses dritten Fastensonntags. Wie kommt Gott seinem Volk zu Hilfe? Er sieht das Elend seines Volkes. Hätte er da nicht selbst durch Wunder und eine Stimme vom Himmel das Volk aus Ägypten befreien können? Nein, Gott hilft und handelt nur durch Menschen, die auf ihn hören und für ihn tun, was er getan haben möchte, so erfahren wir heute – eine Antwort, die in der theologischen Aufklärung des Volkes Israel aus der Re­flexion seiner Geschichte gefunden wurde. Damit unterscheidet sich der Glaube Israels von allen Religionen. Nicht das Erfüllen von Riten und Bräuchen, Gebete, Wallfahrten, das Dar­bringen gewaltiger Opfer bringen Gottes Hilfe, sondern sie geschieht durch Menschen, die seinen Willen ernst nehmen und in seinem Auftrag handeln.

Aber wie findet Gott Menschen, die dazu bereit sind? Davon hören wir heute. Um jeden einzelnen muss er ringen. Die erste Reaktion des Mose ist eine Ablehnung, eine Verweigerung. Er möchte sich dem Anspruch Gottes entziehen. Das leuchtet auch ein, denn für Mose war dieser Auftrag nicht nur ärgerlich; er musste ihm auch vollkommen unmöglich erscheinen. Er antwortet: „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten herausführen könnte?“ Es war ihm gelungen, aus Ägypten zu fliehen, und jetzt sollte er sein gesichertes Hirten­dasein aufgeben, nach Ägypten zurückgehen und seinen Kopf für seine Brüder riskieren? Ihm war bewusst, in welche Gefahr Gottes Auftrag ihn und seine Familie bringen würde.

Gott antwortet auf die Verweigerung des Mose mit der Zusage: „Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt.“ Er legt damit gleichsam seine ganze Autorität, all seine Ver­heißungen und seine Treue auf die Waagschale. Jetzt liegt die Entscheidung, die Wahl­möglichkeit bei Mose. Sein Glaube, sein Vertrauen in das Wort Gottes sind gefragt.

Die Frage des Mose an Gott: Wer bist Du? 

Und dann die Rückfrage des Mose an Gott nach seinem Namen: Wer bist du überhaupt? Da ist es gut, dass die Einheitsübersetzung wieder auf die wörtliche Übersetzung, „Ich bin, der ich bin“, zurückgekommen ist. Für unsere jüdischen Väter und Mütter im Glauben ist es tabu, den Namen Gottes auszusprechen. Dieser Ehrfurcht, so hat die Kirche inzwischen gefunden, können wir uns nur anschließen, und das spricht auch gegen Übersetzungen, in die Menschen ihre Deutungen, ihre Vorstellungen von Gott hineinlegen wie „Ich bin da; ich bin für dich da.“ Dem Wunsch nach einem Namen, mit dem man ihn so zu sagen in der Hand hat, verweigert sich Gott. Aber er offenbart sich Mose als der Gott seiner Väter, „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“. So kann Mose im Zurückschauen auf die Geschichte in den Fußspuren seiner Väter weiter gehen. Durch die ganze Heilige Schrift zieht sich die Erfahrung: Gott ist treu. Er ist da in der Geschichte seines Volkes, die er führt bis in unsere Tage. Jetzt wird Mose hineingenommen in die brennende Sorge Gottes um sein Volk.

In der zweiten Lesung blickt Paulus auf diese Führungsgeschichte des Gottesvolks in der Wüste zurück und mahnt die Gemeinde von Korinth zur Umkehr: Wenn ihr trotz all dem, was ihr erfahren habt, gierig und unzufrieden seid und nicht wirk­lich umkehrt und euch von der Sorge Gottes um sein Volk entzünden lasst, dann geht es euch ebenso wie den murrenden Israeliten in der Wü­ste. „Sie wurden vom Verderber umgebracht, uns zur Warnung.“

Die Umkehr zu Gottes Sorge um sein Volk in der Welt

Um diese Umkehr zum Sich-entzünden-Lassen von der Sorge Gottes um sein Volk geht es auch im Evangelium. Zwei katastrophale Ereignisse werden uns da vorgestellt. Beide sind uns durch­aus nahe. Im einen geht es um mörderische Gewalt seitens der damaligen Großmacht Rom. Die römischen Besatzungs­truppen haben im Tempel galiläische Pilger beim Opfern grausam er­mordet. Galiläa war die Hochburg der Zeloten, die in einer Art heiligem Krieg die heidnischen Römer aus dem Land zu vertreiben versuchten. Diese Galiläer waren vermutlich solche Zeloten, die als Wallfahrer nach Jerusalem gekommen waren, und Pilatus ließ sie, als sie unbe­waffnet im Tempel opferten, von einem seiner Antiterror-Kommandos nieder­metzeln. Und jetzt fragen die Leute Jesus, weil sie wussten, dass er es nicht mit den Zeloten hielt: Was hältst du davon? Wer ist jetzt schuld, doch die brutalen Römer, oder sagst du, die Zeloten, unsere Frei­heits­kämpfer sind selber schuld? Wer ist schuld an dem Krieg in der Ukraine? Doch wohl Putin, oder sagst du, die Ukrainer, die sich ihm widersetzen, sind selber schuld?

Jesus verweist Israel auf eine andere Frage

Jesus weist die Frage zurück als falsch gestellt. Israel hatte gelernt, kein Ereignis als Schicksal hinzunehmen, immer nach der Ursache, nach der Schuld zu fragen, eine gute, aufgeklärte Sichtweise, aber sie bedarf noch einmal einer Korrektur. Was soll hier die Frage nach dem Schuldigen? Wenn ein Schuldiger gefunden ist, dann bin jedenfalls ich es nicht, sondern ein anderer. Er steht dann als ein schlechter Mensch da und ich damit ein Stück besser. Trump versuchte am Beginn der Corona-Pandemie, erste Maßnahmen der Vereinten Nationen zu blockieren, wenn nicht China als schuldig benannt werde.

Hier bringt Jesus das andere Beispiel eines Unglücksfalls, wo offensichtlich ist, dass man da nicht einen Schuldigen finden kann, der ihn herbeigeführt hat. „Wenn ihr nicht umkehrt“, sagt Jesus, nicht die richtigen Konsequenzen zieht, „werdet ihr alle umkommen“, dann werdet ihr nie zu den Fragen kommen, die weiter­helfen, wie man einen Turm baut, dass er nicht einstürzt, wie man als Glaubender mit einer heidnischen Staatsmacht oder mit einer Virus-Pandemie um­geht. Die Aussage ‚Putin ist schuld, der einen souveränen Staat überfallen hat, weil er mit seiner Militärmacht glaubte, es sich leisten zu können‘, so sehr man ihr zustimmen kann, sie nützt nichts, führt nicht weiter, wenn nicht jeder erschrocken sich selber fragt: Bin ich besser, nur weil ich nicht über solche Machtmittel verfüge? Wie handle ich denn, wenn es um meine Interessen, um die Aus­weitung meines Einflusses geht? „Wenn ihr nicht umkehrt …“, sagt Jesus.

Gott handelt nicht magisch vom Himmel herab, das ist die erste Erkenntnis Israels. Nach den Ursachen, nach den Schuldigen zu suchen, ist noch zu wenig, das ist das zweite; wir sind gefragt, wie Mose einzuspringen, zu Hilfe zu kommen: „Jetzt geh du! Ich sende dich. Führe mein Volk aus Ägypten heraus!“ Wie dieses Einspringen dann aussehen soll, da lehrt uns Jesus noch ein drittes in dem Gleichnis, das er anschließt, vom Feigenbaum, der keine Früchte bringt.

Dem Urteil des Besitzers wird jeder zustimmen: Ein solcher Baum, der nutzlos ist, muss umge­hauen werden. Aber von welchem Baum ist da die Rede? Von uns als Kirche, als Gemeinde, wenn wir ohne Früchte dastehen, uns in der Pandemie als nicht system­relevant erweisen, kaum eine Antwort fanden auf die Verheerungen des Lockdown, uns zu nicht viel mehr in der Lage sahen als Vorschriften des Staates umzusetzen. Von uns ist die Rede, wenn unsere Jugend­lichen sich verabschieden, weil sie keine Früchte am Baum der Kirche finden, die für sie an­ziehend wären. „Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“ sagt der Besitzer des Gartens.

Die Fürsprache für den Feigenbaum: Das Tun des Gärtners

Aber dann erst kommt das Gleichnis zu seinem Höhepunkt. Der Gärtner legt für den Feigen­baum Fürsprache ein: „Ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Viel­leicht trägt er doch noch Früchte.“ „Vielleicht“, das ist nicht eine vage Vermutung, sondern gebunden an das Verspre­chen des persönlichen Einsatzes. Uns wird damit zugesprochen, Hüter des Bruders zu sein, mit­verantwortlich, wenn der Glaube des anderen ohne Frucht bleibt, und für ihn und die ganze Gemeinde Für­bitter und Helfer zu sein.

Schon von Mose wird so berichtet: Als das Volk Israel von dem gerade geschlossen Bund mit Gott abgefallen war, zurück in die gewohnte Religion, wo man sich Götterbilder macht und sie an­betet, stellt Gott fest, mit dem Volk ist nichts anzufangen. Da legt Mose Fürsprache für das Volk ein: „‚Du hast dein Volk doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten heraus­geführt. … Lass ab von deinem glühenden Zorn und lass dich das Böse reuen, das du deinem Volk antun wolltest.‘ Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.“ Das ist der Auftrag, der uns an diesem dritten Fastensonntag trifft: Wir dürfen und sollen Für­sprache für das Volk Gottes in seiner großen Not einlegen und versprechen: „Ich will den Boden aufgraben und es düngen. Vielleicht trägt es doch noch Früchte.“ Und wir dürfen wissen: Solche Fürbitten finden Erhörung, sie konnten das Schicksal wenden.

© Dr. Konrad Wierzejewski, Pfarreiengemeinschaft Geltendorf